Strategisches Theater – Die Umkehrung von Theater und Wirklichkeit

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05-11-20 11:09:00, Von Arnold Sandhaus

Wer hätte noch vor 30 Jahren davon träumen können, in einer Welt aufzuwachen, in der fast nur noch geschauspielert wird, in der für eine bestimmte Menschengruppe die Frage, ob etwas wahr oder nicht wahr, Schein oder Wirklichkeit ist, keine Bedeutung hat, aber nur die Wirkung des Gesagten zählt? Eine Public Relation-Agentur wirbt damit, zur Durchsetzung der gewünschten Ziele „strategische Informationsströme“ in Gang setzen zu können. Mich traf dabei dieser kaltblütige, scheinbar wertfreie Ausdruck „strategische Information“, obwohl es doch um das böswillige Verbreiten von Unwahrheiten geht. Aber es geht noch um viel mehr.1 

Die Umkehrung von Theater und Wirklichkeit

Seit längerer Zeit beschäftigt mich die Idee, ja die Wahrnehmung, dass in unserer Zeit Theater und Wirklichkeit verdreht werden, und zwar zum Nachteile beider Gebiete. Die Wirklichkeit ist zum Theater geworden, das Theater zur Wirklichkeit.
Was ist wirklich? Die Wirklichkeit ist eben die Wirklichkeit. Sie ist das Leben wie es ist, das wir täglich leben und erforschen, worin wir unseren Lebensweg zu gestalten versuchen. Das Theater ist nicht das Leben. Das Theater hebt uns gerade einen Moment aus diesem Leben heraus. In einer Scheinwelt zeigt das Theater ein Bild des Lebens, des menschlichen Schicksals. Hierzu benutzt es eine Bühne, die mit Hilfe von Dekor und Beleuchtung eine Situation skizziert, worin Akteure ihre Rolle spielen. Vor der Bühne ist der Zuschauerraum.2

Ein Vorhang scheidet diese beiden Welten. Wenn der Zuschauer den Saal betritt, ist der Vorhang zu. Er setzt sich, denn er ist heute Abend ein Betrachtender, nur seine Seele ist aktiv. Das Saallicht geht aus, der Vorhang öffnet sich: die Vorstellung fängt an. Sie dauert nicht ewig, aber vielleicht einige Stunden. Dann ist sie vorbei und lebt nur noch in der Erinnerung.
Ich weiß, es wird als modern betrachtet, den Unterschied zwischen Zuschauerraum und Bühne zu verwischen. Und davon handelt gerade dieser Artikel. Unterschiedliche Theaterformen möchte ich hier nicht behandeln.

Schein oder Sein

Um meinen Lebensweg sinnvoll gestalten zu können, muss ich mir immer wieder ein Bild der Wirklichkeit machen, denn nur so haben meine Handlungen Halt und Boden, nur so kann ich frei entscheiden und mir die richtigen Fragen stellen. Was sind meine (noch zu entwickelnden) Fähigkeiten? Was bringt mir die Welt entgegen? Welche Möglichkeiten werden mir dadurch geboten?

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