Die Presse-Unfreiheit

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06-11-20 11:16:00,

Der Journalist Glenn Greenwald hat in den Mainstream- und Alternativmedien große Wellen geschlagen, indem er The Intercept kündigte, einem Online-Medium, das er 2014 mit der erklärten Zielsetzung mitbegründet hatte, die Machthaber mit der Macht des uneingeschränkten Journalismus zur Rechenschaft zu ziehen.

Greenwald sagt, er sei zurückgetreten, weil die Redakteure von The Intercept ihm die Veröffentlichung eines Artikels verweigerten, an dem er gearbeitet hatte und in dem es um die Rolle der Massenmedien bei der Vertuschung der überraschenden Hunter-Biden-Enthüllungen vom Oktober 2020 und die Verschleierung deren Charakters ging, was laut Greenwald eine Verletzung der Bedingungen für redaktionelle Freiheit in seinem Vertrag darstellt. Er veröffentlichte auch einen Teil der E-Mail-Korrespondenz, die er mit den Redakteuren im Vorfeld seiner Rücktrittserklärung geführt hatte.

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Mein Rücktritt von The Intercept

Die gleichen Tendenzen der Unterdrückung, Zensur und ideologischer Homogenität, die die nationale Presse plagen, haben generell das von mir mitbegründete Online-Medium verschlungen und gipfelten in der Zensur meiner eigenen Artikel. https://t.co/dZrlYGfEBf

— Glenn Greenwald (@ggreenwald), 29. Oktober 2020.

Der E-Mail-Verkehr macht ziemlich deutlich, dass die Intercept-Redakteure Greenwalds Analyse der Anschuldigungen gegen Joe Biden und seine Familie auf einem viel höheren Evidenzniveau hielten als jeden Journalisten, der Trump kritisieren oder fadenscheinige russische Verschwörungstheorien auf der Plattform verbreiten will, und auch generell Druck sowie eine gewisse Beharrlichkeit erzeugten, alles aus dem Artikel zu entfernen, was Bidens Wahlchancen schaden könnte. Der Journalist Matt Taibbi hat einen eigenen Artikel über Greenwalds Rücktritt herausgegeben, der mehr Informationen über den E-Mail-Verkehr enthält und der sehr lesenswert ist.

Aufschlussreicher als die E-Mails sind die Informationen von Greenwald in einem Substack-Artikel (1) über seinen Rücktritt, in dem er erklärt, dass The Intercept in Bezug auf die Verantwortlichen für das Debakel um (Whistleblowerin) Reality Winner sowie die Vorgänge, die zu ihrer Verhaftung führten, weil sie der Nachrichtenwebsite NSA-Dokumente zugespielt hatte, bewusst intransparent war. Greenwald zufolge hätten die Herausgeber die Veröffentlichung der Dokumente überstürzt, „weil sie den Massenmedien und führenden Liberalen beweisen wollten, dass The Intercept bereit war, auf den Russiagate-Zug aufzuspringen“. Er sagt weiterhin, ihr Schweigen habe es ermöglicht, ihm die Schuld für die Inhaftierung von Winner zuzuschieben, obwohl er nichts mit der Tragödie zu tun hatte.

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