Die digitale Komfortzone

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07-11-20 02:54:00,

Der Geist der Zensur, der YouTube-Strikes und Kanal-Schließungen geht um. Große YouTube-Kanäle verschwinden in diesem Herbst aus dem Netz wie die Blätter von den Bäumen. Zurück bleibt ein inhaltsleeres, substanzloses Geäst aus oberflächlichen, infantilen Inhalten, wie man sie in den YouTube-Trends „bestaunen“ kann. Für wichtige, lehrreiche, erhellende Inhalte wird es dann keinen Platz mehr geben.

Erst vor wenigen Tagen berichtete Tilo Gräser über den zweiten YouTube-Strike von KenFM. Daher führte Jens Lehrich ein langes Interview mit Ken Jebsen über dessen Pläne, alternative Strukturen in der analogen Welt zu errichten. So sehr es das Gebot der Stunde ist, im realen Leben Wurzeln zu schlagen und Strukturen zu errichten, so muss ein Umzug ebenso im digitalen Raum stattfinden.

Im letzten Jahrzehnt erlebten wir eine Monopolisierung der sozialen Netzwerke. Schüler/Studenten VZ, icq, MySpace, Lokalisten, knuddels und viele mehr wurden von Facebook und Instagram verdrängt. Die Videoplattformen Clipfish oder myVideo ereilte mit der Dominanz YouTubes das gleiche Schicksal.

Ob in der analogen oder in der digitalen Welt — man konnte einen Trend hin zur Zentralisierung erleben, der nun wieder rückläufig wird. So wie es die breiten Massen in die Städte zog, da dort das Leben und die Kultur florierte, so beginnt der ländliche Raum wieder mehr an Attraktivität zu gewinnen. In den Städten werden nun im zweiten Lockdown in den frühen Abendstunden wieder die Bürgersteige hochgeklappt, während auf dem Land zu beobachten ist, dass dort nicht annähernd die Härte und das zwischenmenschliche Misstrauen vorherrschen wie in den Metropolen.

Parallelen lassen sich zur digitalen Welt erkennen. Facebook und YouTube lockten Nutzer mit großer Reichweite und einer Vielzahl an Möglichkeiten, sich kreativ auszuleben und zu präsentieren. Nun jedoch verkehren sich die vormals scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des digitalen Eldorados in ihr Gegenteil. Die Leichtigkeit des „Broadcast yourself“ ist einem Bibbern gewichen, der permanenten Sorge, ob der erstellte Content aufgrund einer Nicht-Kompatibilität mit den WHO-Verordnungen gelöscht wird. Daraus resultierend hören viele uns bereits das Schnippen der Schere im Kopf, die uns bewusst, teils unterbewusst damit hadern lässt, welche Inhalte man veröffentlicht und welche besser nicht, da man die Löschung des eigenen Kanals fürchtet. Für manche wäre dies ärgerlich, für andere die Tragödie eines kollabierenden Lebenswerkes aus Millionen Klicks,

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