Live-Medien verschwenden bloss unsere Zeit

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09-11-20 11:22:00,

Grosses Spektakel um die US-Präsidentschaftswahlen.
© Kristen Price / FreeImages

Grosses Spektakel um die US-Präsidentschaftswahlen.

Rainer Stadler / 09. Nov 2020 –

Während der US-Wahlen verschickten die Redaktionen pausenlos News. Was für ein sinnloser Aktivismus.

Die Nachrichten-Apparate liefen seit dem Wahltag in den USA wieder heiss. Natürlich auch hierzulande. Pausenlos wurden wir darüber unterrichtet, welcher Präsidentschaftskandidat in welchem Bundesstaat gerade die Nase vorn hatte. Aufwendig gestaltete Grafiken machten den neusten Pegelstand augenfällig. Journalisten und Experten schlugen sich die Nacht um die Ohren, um die Daten und Trends zu bewerten und zu kommentieren.

Zahlenwirrwarr

Manchmal mit einem paradoxen Effekt. Auf den Websites der Medienorgane fand man Informationen, die ein paar Zentimeter weiter unten in einem anderen Artikel wieder relativiert wurden, weil letzterer ein paar Stunden früher publiziert worden war. Die Jäger nach der aktuellsten Aktualität bissen sich in den eigenen Schwanz. Der dauernde Nachrichtenfluss erlaubt kaum noch eine saubere Ordnung des Geschehens. Neugierige, die auf dem Laufenden bleiben wollten, lasen überdies widersprüchliche Zahlen. Denn die Redaktionen stützten sich hierzulande auf unterschiedliche US-Organe und präsentierten entsprechend andere Zwischenresultate. Die Kundschaft war mit einem ziemlichen Wirrwarr konfrontiert. Klar schien nur eines: Es würde dauern, bis die Berichterstatter einen Sieger ausrufen durften.

Zweifellos erwarten wir von tagesaktuellen Medien, dass sie uns möglichst schnell über den neusten Stand der Dinge unterrichten. Solange die Behörden jedoch noch am Auszählen sind und keine harten Datentrends auszumachen sind, erinnern die News-Apparate an Käfer, die auf dem Rücken liegen und deren Beine hilflos strampeln.

Es ist ein wiederkehrendes Ritual bei Wahlen und Abstimmungen. Das Wichtige ist in deren Vorfeld längst seziert und durchgekaut worden. Die Berichterstatter haben nichts Neues zu sagen, müssen jedoch die Sendezeit füllen oder laufend neues Material herbeischaffen, das Klicks erzeugt.

Live-News zur Unterhaltung

Ressourcenschonende Zeitgenossen werden mit gutem Grund die Ticker ausschalten oder höchstens die auf den Bildschirm gelangenden Push-Meldungen mit einem Auge streifen. Für die grosse Mehrheit der Menschheit spielt es ohnehin keine Rolle, ob sie den Ausruf eines Siegers eine halbe Stunde früher oder später erfährt.

Die Phase davor mag für Liebhaber des Nervenkitzels attraktiv sein. Diese Lust unterscheidet sich jedoch nicht von jener des Zuschauers eines Pferderennens oder eines Elfmeterschiessens. Live-Information erinnert entsprechend mehr ans Unterhaltungsgeschäft als an die Versorgung mit Notwendigem.

Man kann das marktwirtschaftlich betrachten und feststellen: Solange die heiss gestrickten News genutzt werden,

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