Nagorni-Karabach: Friedensschluss in letzter Minute

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11-11-20 11:26:00,

Eine russische Friedenstruppe soll nun im Kriegsgebiet Nagorni-Karabach eintreffen. Die armenischen Streitkräfte hatten in den letzten Wochen zahlreiche Niederlagen einstecken müssen. Am Montag wurde unter Vermittlung von Russland ein weitreichendes Waffenstillstandsabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan geschlossen. Aus Moskau berichtet Ulrich Heyden.

Armenien hatte lange um den Einsatz einer russischen Friedenstruppe im Gebiet der international nicht anerkannten Republik Nagorni-Karabach (RNK) gebeten. Aber Russland hatte sich zurückgehalten. Am Dienstagmorgen zeigte das russische Fernsehen nun überraschend Bilder von russischen Zeitsoldaten und Militärfahrzeugen, die in der östlich von Moskau gelegenen Stadt Uljanowsk in russische Transportflugzeuge verladen wurden. Das Ziel der Flugzeuge: Armenien.

Die russische Friedenstruppe soll entlang der Kontaktlinie zwischen aserbaidschanischen und armenischen Streitkräften im Krisengebiet der international nicht anerkannten „Republik Nagorni-Karabach“ (RNK) stationiert werden. Armenische Truppen sollen über den Latschi-Korridor aus Karabach in die Republik Armenien abziehen. Darauf einigten sich am Montag Wladimir Putin, Ilham Alijew und Nikol Paschinjan, die Führer von Russland, Aserbaidschan und Armenien, in einem weitreichenden Waffenstillstandsabkommen.

Das Abkommen trat am 10. November um null Uhr in Kraft. Es wurde am Dienstagmorgen in russischer und später auch in englischer Sprache auf der Webseite des Kreml veröffentlicht.

Wie der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, wurde der rechtliche Status von Nagorni-Karabach in dem Abkommen nicht definiert. Grundlage für die Regelung des Status von Karabach seien Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates.

Erdogan will mitreden

In dem Abkommen ist nur die Rede von einer russischen Friedenstruppe. Am Dienstagvormittag meldete die Nachrichtenagentur „Aze Sputnik“ jedoch, dass sich Ilham Alijew und Recep Erdogan telefonisch auf ein „russisch-türkisches Zentrum zur Überwachung des Waffenstillstands“ verständigt hätten. Über die Teilhabe der Türkei an der Überwachung des Waffenstillstands steht kein Wort in dem am Montag vereinbarten Abkommen. Doch die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf einen anonymen Diplomaten, die Verteidigungsministerien von Russland und der Türkei würden „noch heute“ eine Vereinbarung über die gemeinsame Überwachung des Waffenstillstandsabkommens unterzeichnen.

Drei Bezirke sollen an Aserbaidschan zurückgegeben werden

Die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Republik Nagorni-Karabach hatte sich Anfang der 1990er Jahre von Aserbaidschan abgespalten. Im Laufe der Abspaltung besetzten Truppen von Nagorni-Karabach und Armenien auch umliegende Bezirke von Karabach. Drei dieser Bezirke soll die nichtanerkannte Republik nach dem am Montag vereinbarten Waffenstillstandsabkommen nun an Aserbaidschan zurückgeben.

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