Schluss mit lustig

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12-11-20 04:18:00,

„Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“ Wir haben diesen Satz verinnerlicht bis zur Selbstverleugnung. Wir bleiben ruhig, selbst wenn man uns das halbe Leben wegnimmt: die selbstbestimmte Freizeit, die so wichtig ist für unser seelisches Wohlbefinden, die Grundlage unserer Gesundheit. Alles, was der Unterhaltung dient, soll wegen der Coronakrise in ganz Deutschland über den gesamten Zeitraum des Lockdowns untersagt werden (1). Gerade jetzt kommt das allgemeine Spaßverbot. Jetzt wäre es wieder losgegangen mit dem wilden Treiben: Halloween, Faschingsauftakt, Martinsumzüge, Weihnachtsmärkte …

Die Kanzlerin und ihre Vasallen in den Ländern möchten nichts mehr hören von Spaß, von Feiern und Sorglosigkeit. Das kennen wir schon. Seit der Christianisierung ist der Obrigkeit der Heidenspaß ein Dorn im Auge. Diese Rituale, die die Menschen seit Urzeiten durch die dunkle Zeit des Winters trugen, wurden verboten, umgedeutet, bis zur Unkenntlichkeit verbogen, schließlich auf ein Minimum reduziert. Ob sie wohl jetzt den Todesstoß erhalten?

Für unsere keltischen Vorfahren begann mit dem 1. November das Winterhalbjahr. Die Ernte war eingebracht, das Vieh gemästet. Dann standen die langen dunklen Nächte bevor mit all den Gefahren konkreter und magischer Art.

In den Nächten tauchten die Toten, Geister und Dämonen auf, drohten und forderten. Den unwillkommenen Besuchern bot man gedeckte Tische an, legte ihnen Speisen vor und Gestecke und zündete Lichter an. Man machte sich Mut durch wildes Feiern und Gelage, Um die Höfe zog man einen Bannkreis durch einen klingenden Umzug, um sich Nacht- und Seelenruhe zu verschaffen.

Man fürchtete das Wilde Heer in den Sturmnächten, die Wilde Bertha, die Perchten oder Wodan, der sich später als Nikolaus tarnte (2). Unser Dämon hat auch einen Namen. Wie viele Gottheiten ist er vielfältig und nicht ganz zu fassen: Virus, Corona, Covid … Nach Auskunft der Regierung liebt er den Alkohol und wilde Feiern, die Nähe und die Erotik — ganz so wie die Perchten und Fasnachtsgestalten.

Diesen Dämon sollen wir nicht durch lärmendes Umziehen vertreiben oder durch gemeinschaftlichen Genuss. Ab November herrscht Tanzverbot, wie nach der alten Kirchenregel: Sankt Kathrein (25. November) stellt‘s Tanzen ein. Die Vorgabe, ganz wie früher: Besinnlichkeit im Familienkreis, zuhause in der Stube. Die stade Zeit! (3).

Die uralten Verbotsrituale mit Kontaktsperre, Alkohol- und Tanzverbot haben tausend Jahre lang nur teilweise gefruchtet. Wer glaubt, dass sie sich diesmal durchsetzen lassen, hat sich bereits kampflos ergeben.

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