Schweiz: Pestizide sind überall – auch in Bio-Betrieben

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13-11-20 10:49:00,

In der Schweiz sind auch biologisch bewirtschaftete Betriebe von Pestiziden belastet

Tobias Tscherrig / 13. Nov 2020 –

Greenpeace stellte bei Analysen auf Bio-Höfen zahlreiche Pestizid-Rückstände fest. Grund dafür ist die Verfrachtung durch die Luft.

Seit langem gibt es Hinweise darauf, dass sich umwelt- und gesundheitsschädliche Ackergifte auch über grössere Entfernungen hinweg vom ursprünglichen Einsatzort verbreiten. Pestizide legen auf dem Luftweg kilometerlange Strecken zurück, ihre Rückstände sind überall zu finden – so zum Beispiel auch in Naturreservaten oder in eigentlich biologisch geführten Landwirtschaftsbetrieben. Also auch dort, wo sie definitiv nichts zu suchen haben.

Ein Problem, das nicht nur die Schweiz betrifft. Trotz all der Hinweise gibt es aber kaum umfassende staatliche Untersuchungen, die das Problem analysieren. Weder in Deutschland noch in der Schweiz existiert ein permanentes, landesweites und digitales Monitoring, das die Verwendung und Luftverbreitung von Pestiziden überwacht und analysiert.

Also haben mehrere Umweltverbände die Sache selbst in die Hand genommen: In Deutschland gaben das «Umweltinstitut München» und das «Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft» die «bisher umfassendste Studie zur Pestizidbelastung der Luft» in Auftrag, in der Schweiz legte «Greenpeace» kürzlich die Analyse «Pestizide in der Schweizer Luft» vor.

Die Ergebnisse gleichen sich und sind besorgniserregend: Demnach verbreiten sich Pestizide viel stärker mit der Luft, als bisher gedacht. Selbst bei biologischen Betrieben, wo die Gifte nicht ausgebracht werden, fand «Greenpeace» eine Mehrfachbelastung von insgesamt 25 Pestiziden, die durch die Luft verfrachtet wurden und die teilweise als sehr giftig für den Menschen gelten und für die Umwelt problematisch sind.

Mehrfachbelastung an allen Standorten

Um zu messen, wie sich Pestizide in der Schweiz mit der Luft verteilen und wie stark sie von ihrem eigentlichen Austragungsort per Luftweg abdriften, liessen «Greenpeace» und das «Umweltinstitut München» zwischen Mai und November 2019 bei jeweils einem biologischen Betrieb im Wallis, in der Nordwestschweiz, im Mittelland und in der Ostschweiz Passiv-Sammler aufstellen, auf denen Pestizid-Rückstände haften bleiben. Pro Standort und Messzeitraum konnten so insgesamt 213 Pestizidwirkstoffe und Metaboliten analysiert werden – und das bei biologisch bewirtschafteten Betrieben, die die nachgewiesenen Produkte nicht nutzen.

Wie «Greenpeace» mitteilt, werden die genauen Standorte, an denen die Messungen stattfanden, in «Absprache mit den Landwirten nicht öffentlich kommuniziert.»

An allen Standorten sei «sowohl im Sommer als auch im Herbst eine mehrfache Belastung mit Pestiziden» festgestellt worden.

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