Wider die freiwillige Knechtschaft

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13-11-20 10:52:00,

Es ist nur ein kleines Buch und stammt aus dem 16. Jahrhundert — aber sein Inhalt ist gewichtig und hochaktuell auch in unserer heutigen Zeit: Die „Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft“ von Étienne de La Boétie. Seit der Text 1571 das erste Mal veröffentlicht wurde — den Berichten nach etwa 25 Jahre zuvor aufgeschrieben — hat er „nichts von seiner politischen Sprengkraft verloren“, wie Bernd Schuchter zu Recht im Nachwort zur aktuellen Ausgabe von 2019 feststellt.

Das Plädoyer für die Freiheit liest sich angesichts der Geschehnisse in der dieses Jahr ausgelösten Corona-Krise hochaktuell. Das gilt ebenso für die Fragen des Autors nach den Ursachen für die freiwillige Knechtschaft. De La Boétie trägt für die Antwort auf die grundlegende Frage „Wie soll ich mich angesichts der eigenen Ohnmacht und der Macht der anderen verhalten?“ Einiges bei. Dabei geht der Autor auch weit über die Tyrannei hinaus, die er anhand zahlreicher historischer Beispiele ins Zentrum seiner Abhandlung stellt.

Zu den Tyrannen zählt er nicht nur jene, die durch „die Gewalt der Waffen“ oder „durch die bei ihrem Geschlechte hergebrachte Erbfolge“ an die Macht gelangten. Dazu gehörten für de La Boétie ebenso die, die „im Besitze der Herrschaft durch die Wahl des Volkes“ sind. Über diese Gruppe schrieb er, es sei „sonderbar, wie sehr sie dann alle anderen Tyrannen in allen Arten von Lastern und selbst in der Grausamkeit übertreffen“. Sie würden ihre neue Tyrannei „durch die größtmögliche Ausbreitung der Knechtschaft“ befestigen sowie „durch eine so große Entfremdung ihrer Untertanen von der Freiheit, so frisch auch immer das Andenken derselben sei, dass sie endlich die Freiheit ganz vergessen“.

Es gebe zwar Unterschiede unter den Despoten, meint der Autor aus dem 16. Jahrhundert, aber ihre Art zu regieren sei ähnlich:

„Die Erwählten betrachten ihre Untertanen als Stiere, die man ihnen zu zähmen gegeben hat, und sie behandeln sie auch demgemäß …“

Zeitlos und aktuell klingt nicht minder, was de La Boétie über die Machtmittel geschrieben hat, zu denen mehr als Zwang und Gewalt gehören. Er erinnerte an das Beispiel der vom Perserprinzen Cyrus eroberten Hauptstadt von Lydien, Sardes, im 6. Jahrhundert vor Christus. Als der Eroberer erfahren habe, es gebe unter der Bevölkerung von Sardes Proteststimmung, sei er nicht mit Gewalt dagegen vorgegangen:

„Er errichtete daselbst Huren- und Spielhäuser,

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