Die Mythen des Systems

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14-11-20 02:20:00,

von Darren Allen

„Unsere Gesellschaft ähnelt dem ausgefallenen Gerät, das ich einmal in einem New Yorker Spielwarengeschäft gesehen habe. Es handelte sich um eine Metallkassette, die sich öffnete und eine mechanische Hand freigab, sobald man einen Schalter betätigte. Finger aus Chrom griffen nach dem Deckel, zogen ihn nach unten und verschlossen ihn von innen. Es war ein Kästchen. Man hat erwartet, etwas herausnehmen zu können. Aber das Kästchen enthielt nur einen Mechanismus, um den Deckel zu schließen“ — Ivan Illich.

Seit hunderttausenden von Jahren lebten Menschen in friedvollen, egalitären, gesunden Gesellschaften, zumindest im Vergleich zu dem, was folgte. Wir arbeiteten nicht sonderlich hart und die Arbeit an sich — falls es überhaupt Arbeit genannt werden konnte; präzivilisatorischer Gesellschaften unterscheiden nicht zwischen Arbeit und Spiel — war angenehm, sinnvoll und nicht entfremdend.

Aktivität ist entfremdend, wenn sie dazu führt, dass Sie sich wie ein Fremder oder Feind fühlen — ganz gegen Ihre eigene bessere Natur; wenn Sie zum Beispiel gezwungen werden, für den Profit eines anderen zu arbeiten oder ohne guten Grund, oder wenn sich die Ergebnisse nicht gut anfühlen. Für den größten Teil der Menschheitsgeschichte (eigentlich Vorgeschichte — genau genommen fängt Geschichte mit der Zivilisation und der Schrift an) waren Entfremdung von Arbeits- und Lebensweise unbekannt; Zwang und Nutzlosigkeit waren genauso unvorstellbar wie Eigentum, Religion, Gesetzgebung, Kriegsführung, großer Aberglaube und das, was wir „Geisteskrankheit“ nennen.

Die Angst vor der Unmittelbarkeit, wenn sich die Sinne schärfen, um mit Gefahren in der Gegenwart umzugehen, war Teil des Lebens — weil die Gefahr allgegenwärtig war — aber die Angst vor morgen, diese tiefe und weitverbreitete Ungewissheit, Angst und Sorge, mit der die modernen Männer und Frauen belastet sind, waren unbekannt.

Objektiv gesehen ist es unmöglich, all das genau zu wissen — aber es ist auch unmöglich, aus Studien irgendetwas direkt zu wissen. Dennoch können wir einigermaßen verlässliche Rückschlüsse über unsere prähistorische Vergangenheit ziehen, ebenso wie über die Oberfläche der Sonne oder die Folgen des Klimawandels. Anthropologen können objektiv beurteilen, wie die Urmenschen lebten, indem sie Erdproben, Knochen, Werkzeuge und andere archäologische Funde studieren. All diese zeigen wie die frühen Menschen gelebt haben, wie gewaltbereit sie waren, wie gesund, wie sozial strukturiert — ja sogar wie er das Universum um sich herum wahrgenommen haben (1).

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