Eiertanz in Myanmar

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15-11-20 10:50:00,

Aung San Suu Kyi (2012). Bild: Htoo Tay Zar/CC BY-SA 3.0

  1. Eiertanz in Myanmar

  2. Die Kontrahenten

  3. Die Safran-Revolution


  4. Auf einer Seite lesen

Warum Aung San Suu Kyi eine tragische Gefangene ihrer Realpolitik ist. Und wer wirklich die Macht in der ehemaligen britischen Kolonie Burma hat

Im Schatten der Pandemie und der US-Präsidentenwahlen geriet eine wichtige Entscheidung in Myanmar, dem ehemaligen Burma, aus dem Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Die Nationale Liga für Demokratie, kurz NLD, der die Friedensnobelträgerin Aung San Suu Kyi vorsteht, hat die zweite freie Parlamentswahl seit der Einleitung von demokratischen Reformen durch die Militärjunta haushoch gewonnen. Die Zeitung Myanmar Times verkündete, dass die NLD ihre absolute Mehrheit verteidigen und sogar ausbauen konnte.

Die Parlamentswahlen hatten aber einen Makel: Die Wahlkommission hatte entschieden, in einigen von ethnischen Minderheiten dominierten Konfliktregionen erst gar nicht wählen zu lassen. Rund 1,5 Millionen Menschen waren dadurch vom demokratischen Prozess ausgeschlossen. Das Mandat der NLD wurde überwiegend von den Bamar-Burmesen, der ethnischen Mehrheitsbevölkerung des Vielvölkerstaats, der Aung San Suu Kyi selbst angehört, bestätigt.

Gräueltaten an Rohingya

Vor einem Jahr, am 11.12.2019 trat Aung San Suu Kyi vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Im Namen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit hatte Gambia den Antrag gestellt, vom IGH prüfen zu lassen, ob das burmesische Militär im Bundesstaat Rakhaing an der muslimischen Minderheit der Rohingya einen Genozid verübt hatte. In einem ungewöhnlichen Schritt trat die als “De-facto-Regierungschefin” bezeichnete Außenministerin Myanmars persönlich vor das Gremium, um emotional und bestimmt die Politik ihres Landes zu verteidigen.

Gräueltaten an Rohingya, einer von buddhistischen Burmesen verfolgten muslimischen Minderheit, einem Volk, das im Westen bisher kaum jemanden geläufig war, füllen seit drei Jahren die Medienberichte. Mehr als 750.000 Menschen mussten vor dem Terror der burmesischen Militärs ins benachbarte Bangladesch flüchten. Die Offensive forderte bis zu zehntausend Tote. Die Geflüchteten berichteten von Leichen, die im Grenzfluss angeschwemmt wurden, abgebrannten Dörfern und Massenvergewaltigungen. Führende UNO-Diplomaten sprachen von einer “Politik der ethnischen Säuberungen”, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von Genozid.

Bei ihren öffentlichen Auftritten spielte Aung San Suu Kyi die Verbrechen an den Rohingya herunter. In Den Haag sprach sie erstmals von der Möglichkeit,

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