In der Corona-Krise wissen die Russen die Datschen noch mehr zu schätzen

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15-11-20 04:27:00,

Während der Corona-Krise entstanden vor den russischen Großstädten viele neue Datschen. Unser Autor ist selbst auf die Suche nach einer Datsche gegangen und erfuhr dabei so manches über den russischen Immobilienmarkt. Eine Reportage von Ulrich Heyden, Moskau.

„Was, schon so lange in Moskau und noch keine eigene Wohnung?“ Mitleidiges Staunen bei allen Russen, mit denen ich über mein Leben in Moskau spreche. Wer in den 2000er Jahren aus der russischen Provinz nach Moskau kam, um Geld zu verdienen und Karriere zu machen, handelte schnell. Nach ein paar Jahren war der Neuankömmling Besitzer einer mit Hilfe von Krediten erworbenen Wohnung.

Ich erinnere mich auch an eine schlaue Journalisten-Kollegin aus den Niederlanden. Die kaufte sich in den 1990er Jahren eine Wohnung im Moskauer Stadtzentrum. Damals waren die Preise noch nicht so hoch wie heute. Ich beneidete sie.

Warum ich mir damals keine Wohnung kaufte? In den 1990er Jahren wusste ich noch nicht, wie lange ich bleibe. Und als ich wusste, dass ich länger bleiben werde, reichte mein Geld nicht.

Eine 40 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung in einem der dreißiggeschossigen Wohnhäuser, die am Stadtrand von Moskau entstehen, kostet 110.000 Euro. Soviel Geld habe ich nicht. Und will ich ein Leben „als Ameise“ führen? Dann doch lieber außerhalb von Moskau ein Häuschen suchen, an einem Ort, der noch mit der Vorortbahn zu erreichen ist.

Zu zweit machen wir uns nun jedes zweite Wochenende auf den Weg ins Moskauer Umland. Dort gibt es eingeschossige Holzhäuser mit einem standardmäßigen, 600 Quadratmeter großen Grundstück für 55.000 Euro. Doch wir sind nicht die Einzigen, die ein Haus suchen. Wie das Internetportal Lenta.ru berichtete, ist das Interesse am Grundstückskauf im Moskauer Umland im April dieses Jahres um 37 Prozent gestiegen.

Auslöser des Datschen-Booms war die Corona-Krise. Nicht wenige verloren ihren Arbeitsplatz. Und viele Angestellte bekamen die Weisung, von Zuhause aus zu arbeiten. Wieder andere – vor allem Familien mit Kindern – waren es leid, sich tagaus, tagein den strengen Hygiene-Regeln in der Großstadt zu unterwerfen. In den Datschensiedlungen tragen die Leute in der Regel keine Masken.

Foto: Ulrich Heyden

Maskenfreie Zone

An Informationen über Grundstücke und Häuser außerhalb der Stadt mangelt es nicht. Überall in Moskau gibt es Ausstellungsflächen mit Fertighäusern. Das billigste Häuschen – das allerdings nur für den Sommer geeignet ist – kostet 20.000 Euro.

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