„Obdachlose haben kein Vertrauen in Politiker“: Menschen zurück in Kultur und Gesellschaft bringen

„obdachlose-haben-kein-vertrauen-in-politiker“:-menschen-zuruck-in-kultur-und-gesellschaft-bringen

15-11-20 10:51:00,

Politik und Wohlfahrtsverbände bestimmen häufig über das Leben von Menschen ohne Obdach. Im Sputnik-Interview berichtet Hilde Rektorschek aus Marburg, Gründerin des „Bundesverband Kulturloge“, über ihre eigenen Erfahrungen damit. Ihr sozialer Verband organisiert Wohnungen und kostenfreien Zutritt zu Kino und Theater für bedürftige Menschen.

Menschen ohne eigene Wohnung und Obdach haben es schwer in der Gesellschaft. Eine Binsenweisheit. Doch Betroffene sind ebenso in sozialen Organisationen und Wohlfahrtsverbänden unterrepräsentiert. Sprich: Sie erhalten kaum die Möglichkeit, über Entscheidungen mitzubestimmen, die ihr eigenes Leben betreffen. Auch von kulturellen Veranstaltungen sind sie häufig – meist aufgrund fehlender finanzieller Mittel – ausgeschlossen. Ganz zu schweigen von einem Mitspracherecht in politischen Institutionen.

Wann werden beispielsweise obdachlose Menschen zu Debatten in den Bundestag oder in Landtage eingeladen, wenn Gesetzesvorhaben und Regelungen dort diskutiert sowie verabschiedet werden, die sie betreffen? Kritische Sozial-Experten sagen: viel zu selten – und erkennen darin ein großes Problem.

Hilde Rektorschek, die Vorsitzende und Gründerin des „Bundesverbands Deutsche Kulturloge“, der aus der „Kulturloge Marburg“ hervorgeht, arbeitet seit über zehn Jahren mit und für Bedürftige, Obdachlose und wohnungslose Menschen und versucht, diese Situation zu überwinden. Im Interview mit Sputniknews schildert sie ihre Arbeit.

Partizipation und Teilhabe: „Betroffene stärker mit einbinden“

Ihre Hilfsorganisation stellt Möglichkeiten zur Verfügung, an Kultur, Gesellschaft und Sport-Veranstaltungen teilzunehmen, eine eigene Wohnung zu finden und vieles darüber hinaus. Alles unter dem Motto „Kultur darf kein Luxusartikel sein“.

©
AP Photo / Markus Schreiber

„Die Obdachlosen sind Politikern gegenüber nicht so zugeneigt“, berichtete Rektorschek über ihre Arbeit. „Es ist sehr schwierig, Betroffene aus ‚dieser Ecke‘ herauszuholen. Viele können sich allerdings nicht ständig einbringen und müssen aufhören, wenn dann beispielsweise die eigene Wohnung wieder weg ist. In der Nationalen Armutskonferenz (NAK) bin ich im Frauen-Arbeitskreis aktiv, dort ist nur eine betroffene Frau mit dabei. Und diese sagt: ‚Ich habe selbst genug zu tun, kann mich nicht um Andere kümmern.‘“ Ein oft gehörter Ausspruch, allzu verständlich.

Die Leiterin der „Kulturloge“ weiß selbst sehr genau, dass dies schwierig umzusetzen sei, auch durch ihre Tätigkeit im Armutsnetzwerk: „Aber für mich gehört das dazu. Im Armutsnetzwerk sind natürlich Menschen, die partizipieren.“

Anfrage bei Links-Fraktion im Bundestag

Ihr Vorschlag: Mehr Einbindung Betroffener in Entscheidungsprozesse in der Kommune organisieren. „Man könnte sich in Vereine engagieren. Das wäre auch mal eine Anerkennung für die Betroffenen“,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: