„Die Fixierung auf die Anzahl der Todesfälle mit Covid-19 ist irreführend“

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16-11-20 10:43:00,

Unser Schweden-Korrespondent Henning Rosenbusch hatte die Möglichkeit, sich mit dem angesehenen Kinder- und Jugendmediziner Johnny Ludvigsson zu unterhalten. Es geht um die Fixierung von Politik und Medien auf die Zahlen der „Corona-Toten“ und die womöglich weitaus größere Zahl der Sterbefälle, die durch die Kollateralschäden der Lockdown-Politik in Kauf genommen werden. Nebenbei bietet Rosenbusch uns auch einen weiteren Einblick in den schwedischen Alltag zu Corona-Zeiten.

Jönköping, eine Stadt mit 85.000 Einwohnern, liegt im Norden von Småland und genau an der Südspitze des Vättern, dem zweitgrößten See Schwedens. Im gemütlichen Stadtkern finden sich rund 200 Geschäfte. Weitere 80 Händler haben sich unter dem Dach des Einkaufszentrums „Asecs“ in einem Gewerbegebiet niedergelassen. Ministerpräsident Stefan Lövfen gab am 3. November aufgrund massiv ansteigender Fallzahlen bekannt, dass die „strengeren allgemeinen Ratschläge“ auf die gleichnamige Region Jönköping län (Inzidenz zuletzt bei 297/100.000, fünf Menschen liegen derzeit mit positivem Test auf Intensivstationen) ausgeweitet werden. Das bedeutet: Es wird davon abgeraten, Zeit mit Menschen außerhalb des eigenen Haushalts zu verbringen. Fitnessstudios, Schwimmbäder, Restaurants, Bibliotheken und Museen sollen gemieden werden, genau wie unnötige Shopping-Touren abseits von Supermärkten und Apotheken.

Es heißt immer wieder, die Schweden würden sich penibel an alle Empfehlungen halten. Zumindest was Abstand und Handhygiene betrifft, stimmt das auch zu größten Teilen. Aber den Einkaufsbummel am vorletzten Wochenende scheinen sich viele in Jönköping nicht nehmen lassen zu wollen: „Ich bin überrascht, ein durchaus normaler Samstag vom Umsatz her“, berichtet die junge Lena an der Kasse einer mittelgroßen Modeboutique in der Fußgängerzone. Gegenüber steht eine ältere Frau vor einer Drogerie und wartet: „Das ist mir zu voll, wie soll ich da Abstand halten?“ Masken oder gar einen Lockdown wünscht sie sich jedoch nicht: „Masken bringen doch nichts“, winkt sie ab, „und ich bin ja selbst hier und will einkaufen.“ Auch drei weitere Einzelhändler in der Fußgängerzone sprechen von normalen Umsätzen, nur unter der Woche sei etwas weniger los gewesen. Der Parkplatz vor dem Einkaufszentrum „Asecs“ etwas außerhalb ist am frühen Nachmittag gut gefüllt.

Spürbare Besucherrückgänge vermelden jedoch die Café-, Restaurant- und Barbetreiber in Jönköping. Das „Frimans Café & Bistro“ hat deshalb die Öffnungszeiten unter der Woche um zwei Stunden verkürzt: „Seit den verschärften Empfehlungen liegen wir nur noch etwa bei 60 Prozent unseres normalen Umsatzes“, schätzt die Chefin. Hier gab es auch eine weitere Verschärfung durch Lövfen: In Restaurants dürfen nur noch acht Personen (auch aus acht Haushalten) zusammen an einem Tisch sitzen.

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