Mein Abschied von The Intercept

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17-11-20 11:28:00,

von Glenn Greenwald

Heute habe ich meinen Ausstieg bei The Intercept, der publizistischen Website, die ich gemeinsam mit Jeremy Scahill und Laura Poitras im Jahr 2013 gegründet habe, sowie von der Muttergesellschaft First Look Media bekannt gegeben.

Der letztlich ausschlaggebende Anlass ist, dass die Redaktion von The Intercept, unter Verletzung meines vertraglichen Rechts auf redaktionelle Freiheit, einen Artikel zensierte, den ich diese Woche geschrieben habe, und sich weigerte, ihn zu veröffentlichen, wenn ich nicht alle kritischen Passagen über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden streiche, der von allen New Yorker Intercept-Redakteuren, die an diesem Zensurversuch beteiligt waren, vehement unterstützt wird.

Der zensierte Artikel, der auf kürzlich veröffentlichten E-Mails und Zeugenaussagen basiert, warf kritische Fragen zu Bidens Verhalten auf. Die Intercept-Redakteure gaben sich nicht damit einfach zufrieden, die Veröffentlichung dieses Artikels in dem von mir mitbegründeten Internet-Magazin zu verhindern, sondern verlangten auch, dass ich auf mein Sondervertragsrecht verzichte, diesen Artikel woanders zu publizieren.

Ich hatte kein Problem damit, dass sie mit meinen Ansichten über das, was diese Belege über Biden deutlich machen, nicht einverstanden waren: Als letzten Versuch der Zensur zu entgehen, ermutige ich sie, ihre Meinungsverschiedenheiten mit mir darzulegen, indem sie in eigenen Artikeln meinen Standpunkt zu kritisieren und den Lesern die Entscheidung überlassen, wer recht hat, so wie das jedes souveräne und funktionierende Medienunternehmen tun würde. Aber moderne Medien erörtern keinen Dissens; sie zermalmen ihn. Den Weg, den diese Redakteure als Biden-Unterstützer wählten, war also eher die Zensur meines Artikels, als sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Der zensierte Artikel wird in Kürze auf dieser Seite veröffentlicht werden — er ist bereits hier veröffentlicht, und die E-Mail-Korrespondenz mit den Intercept-Redakteuren bezüglich der Zensur sind hier. Mein Abschiedserklärung, die ich heute Morgen (29. Oktober 2020, Anmerkung des Übersetzers) an den Präsidenten von First Look Media, Michael Bloom, geschickt habe, ist nachstehend veröffentlicht.

Ab sofort werde ich meinen Journalismus hier auf Substack veröffentlichen, wohin zahlreiche weitere Journalisten — darunter mein guter Freund, der großartige und unerschrockene Reporter Matt Taibbi — gekommen sind, um Journalismus frei von dem zunehmend repressiven Klima zu betreiben, das die nationalen Mainstream-Medien im ganzen Land vereinnahmt.

Dies war keine leichte Entscheidung: Ich opfere freiwillig die Unterstützung einer großen Institution und ein sicheres Gehalt im Tausch gegen nichts als den Glauben daran,

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