Deutscher Botschafter in Litauen hält befremdliche Rede über den Zweiten Weltkrieg | Anti-Spiegel

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20-11-20 10:09:00,

Der deutsche Botschafter in Litauen hat in einer Rede die Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg so verdreht, dass er eine sehr heftige Reaktion des russischen Außenministeriums hervorgerufen hat. In Deutschland wären seine Aussagen unter Umständen justiziabel gewesen.

In Deutschland ist es gesetzlich verboten, die deutsche Kriegsschuld in Frage zu stellen. Ob die Rede des deutschen Botschafters in Litauen, Matthias Sonn, diesen Straftatbestand erfüllt, vermag ich nicht zu sagen, zumal mir der wortgenaue Text der Rede nicht vorliegt. Aber er hat bei einer Veranstaltung in Vilnius gesagt, dass Stalin die europäischen Länder nur befreit habe, um sie seiner repressiven Herrschaft zu unterwerfen.

Man kann trefflich über Stalin diskutieren und ihn für vieles kritisieren, aber was Botschafter Sonn vergisst, ist die entscheidende Kleinigkeit: Deutschland hat die Sowjetunion angegriffen und erobern wollen, nicht umgekehrt. Stalin hat sich gegen den deutschen Angriff verteidigt und am Ende gesiegt. Ohne den deutschen Angriff hätte sich der Stalinismus nicht nach Westen ausgebreitet. Außerdem hat Botschafter Sonn in seiner Rede – soweit mir bekannt – die Opfer des deutschen Vernichtungskrieges in der Sowjetunion mit keinem Wort erwähnt, sondern stattdessen der Sowjetunion de facto eine Eroberungspolitik vorgeworfen.

Das ist in meinen Augen eine Verdrehung der Tatsachen des Zweiten Weltkriegs und könnte auch als in Frage stellen der deutschen Kriegsschuld gewertet werden und damit nach deutschem Recht eine Straftat darstellen.

Wie ich schon berichtet habe, werde ich am Samstag in Moskau an einer Konferenz zum 75. Jahrestages der Nürnberger Prozesse teilnehmen. In ihrer offiziellen Erklärung zu der Rede des deutschen Botschafters Sonn ist die Sprecherin des russischen Außenministeriums auch auf diese Konferenz eingegangen. Ich habe die offizielle russische Erklärung über die Rede von Botschafter Sonn übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Wir sind empört über die Rede des deutschen Botschafters in Litauen bei der Eröffnungszeremonie des Denkmals für den jüdischen Wasserträger am 19. Oktober 2020 in Vilnius. Der Leiter der deutschen diplomatischen Vertretung in der litauischen Hauptstadt sagte, das Ziel der Befreiung der Roten Armee Deutschlands vom Nationalsozialismus sei nichts weiter, als die Etablierung von Stalins repressiver Herrschaft in dem besiegten Land gewesen.

Ich möchte unsere deutschen Kollegen fragen: Geht´s noch? Wir klassifizieren diese von durch ultranationalistische Kräften seit Jahrzehnten in Litauen kultivierten anti-russischen Gefühle inspirierten Ausführungen eines hochrangigen Diplomaten des deutschen Außenministeriums als grobe und zynische Provokation.

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