Keine Wahl

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20-11-20 10:46:00,

von Richard D. Wolff

Die große Mehrheit der Unternehmen wird sich weiterhin im Besitz und unter der Leitung einer kleinen Minderheit der Amerikaner befinden. Diese Menschen werden auch künftig ihre Positionen an der Spitze des kapitalistischen Systems nutzen, um ihren Reichtum zu mehren, „Lohnkosten zu senken“ und dadurch die Ungleichgewichte bei Vermögen und Einkommen in den Vereinigten Staaten zu vertiefen.

Die Klasse der Arbeitgeber wird weiterhin ihren Reichtum dazu verwenden, die Politik des Landes zu kaufen, zu kontrollieren und zu formen, um die Klasse der Arbeitnehmer davon abzuhalten, gegen den Umstand vorzugehen, dass jene die Eigner und Lenker des Wirtschaftssystems bilden. Tatsächlich haben sie über einen sehr langen Zeitraum dafür gesorgt, dass (1) nur zwei politische Parteien die Regierung bilden und (2) beide enthusiastisch entschlossen sind, das kapitalistische System zu erhalten und zu stützen. Für den Kapitalismus entscheidet die Frage, welche Partei gewinnt, nur darüber, wie der Kapitalismus gefördert wird, nicht aber, ob überhaupt diese Förderung für die Regierung von höchster Priorität ist.

Wer auch gewonnen haben mag: Der private Sektor und die Regierung werden festhalten an ihrem gemeinsamen Scheitern bei dem Versuch, die sozial zerstörerische Instabilität des Kapitalismus zu überwinden. Ökonomische Zusammenbrüche („Abschwünge“, „Pleiten“, „Rezessionen“ und „Depressionen“) werden auch in Zukunft durchschnittlich alle vier bis sieben Jahre auftreten und unsere Wirtschaft und Gesellschaft zerrütten. Allein in diesem jungen Jahrhundert hatten wir in 20 Jahren unter Republikanern wie Demokraten bereits drei Wirtschaftskrisen zu erleiden — 2000, 2008 und 2020 —, in Übereinstimmung mit dem historischen Durchschnitt. Nichts, was der Kapitalismus in der Vergangenheit versucht hat, hat je seine Instabilität beendet oder überwunden. Nichts von dem, was beide Parteien nun vorschlagen, bietet die geringste Chance, dies in der Zukunft zu tun.

Gleichgültig, wer gewonnen hat — die historische Rückabwicklung des New Deal nach 1945 wird sich fortsetzen. Die Grand Old Party (GOP — Bezeichnung für die Republikaner) und die Demokraten werden beide fortfahren, die — von unten vom Kongress der industriellen Organisationen (CIO), von Sozialisten und Kommunisten erzwungene — Verringerung der Vermögens- und Einkommensungleichheiten der 1930er-Jahre umzukehren. Wie gewöhnlich treibt die GOP die Rücknahme dieser Gewinne für die Amerikaner stärker und schneller voran als die Demokraten, aber beide Parteien haben die Umverteilung von Vermögen und Einkommen nach oben seit 1945 geduldet und verwaltet.

Die GOP wird wahrscheinlich die Wohlhabenden offen feiern,

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