Meinungsvielfalt ist unabdingbar

meinungsvielfalt-ist-unabdingbar

23-11-20 10:51:00,

Medienkritik zum Corona-Journalismus – Teil 4

Zur Vollständigkeit einer Berichterstattung (siehe Teil 3 Halbe Wahrheiten sind keine) gehört die Vielfalt an Meinungen. Meinungsvielfalt ist ein wichtiger Teil der demokratischen Begründung für Pressefreiheit, und wo möglich, ist sie sogar explizit vorgeschrieben (z.B. im Medienstaatsvertrag).

Der deutsche Journalismus hat ein massives Problem mit der Meinungsvielfalt. Unabhängig vom konkreten Thema ist in der Branche völlig unklar, wozu es Meinungsvielfalt braucht und wie sie aussehen sollte. Deutlich artikuliert der Journalismus dies selbst, wenn er sich alle paar Wochen mit den Grenzen des Sagbaren beschäftigt, eine irgendwo vertretene Meinung skandalisiert, als Sittenpolizei Halbsätze und Tweets investigativ untersucht oder zum hunderttausendsten Mal fragt: Was darf die Satire? Dabei ist Meinungsvielfalt mit das Wichtigste, das Journalismus bieten muss, wenn er der Orientierung dienen will.

Schließlich gibt es Orientierung nicht mit einer Einzelmeinung. Im Interesse der eigenen Erkenntnis braucht es die verschiedenen Perspektiven. Und im Sinne eines demokratischen Prozesses müssen alle Stimmen Raum finden – und Zustimmung wie Widerspruch erfahren. Meinungen, die keinen Widerspruch vertragen, sind Dogmen. Sie bleiben zwar Meinungen, werden aber dem Diskurs entzogen. Das ist, was in den viel zitierten “Blasen” tagtäglich geschieht: Die eigene Weltsicht wird fortwährend bestätigt, jede Abweichung wird niedergemacht und als Podest für die eigene Erhöhung genutzt. Eine sehr normale Machtstrategie – aber gerade kein Vorbild für den Journalismus.

In der Corona-Berichterstattung hat der Journalismus jedoch selbst zahlreiche Dogmen geschaffen: Glaubenssätze, die zumindest von Laien nicht infrage gestellt werden dürfen. Ein Dogma lautet, in den Worten der Virologin Sandra Ciesek: Es “zählt jedes einzelne Leben”, koste es, was es wolle (denn alles andere wäre “menschenverachtend”).

Meinungen sind weder richtig noch falsch

Wie bereits im Teil über das Qualitätskriterium Richtigkeit (Wenn schon die Fakten nicht stimmen) ausgeführt: Meinungen können nie richtig sein (und entsprechend auch nie falsch). Sie können ob ihrer schwachen, fehlenden oder unlogischen Begründung absurd erscheinen, sie können sehr abseitig sein (im Sinne von einzigartig), sie mögen mit allen möglichen Werten und Normen kollidieren oder aber im Gegenteil von fast jedem Menschen geteilt werden – richtig oder falsch sind sie nie. Deshalb kann es für Meinungen auch keine “Faktenchecks” geben. Prüfen lassen sich nur Tatsachenbehauptungen (die selbstverständlich regelmäßig als Begründung in Meinungsbekundungen auftauchen). Doch im Journalismus werden ständig Meinungen für Tatsachenbehauptungen gehalten,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: