Wege aus der Gleichgültigkeit

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27-11-20 03:22:00,

„Dunkelheit kann keine Dunkelheit vertreiben,
nur das Licht kann das.
Hass kann keinen Hass beenden,
nur die Liebe kann das“
— Martin Luther King.

Letzte Nacht hatte ich einen Traum: Ich sah Menschenmengen in panischer Flucht, brennende Städte, Bomben, schreiende Kinder. Der Traum war nicht weit von der Realität entfernt, wie ich am Morgen las: In Calais räumte die französische Polizei in derselben Nacht gewaltsam den „Jungle“, ein Flüchtlingslager, in dem über viele Monate eine Hüttenstadt mit selbstverwalteter Infrastruktur, gegenseitiger Hilfe, Schule, Kirche und Restaurants gewachsen war. Einige Tausend Menschen stehen wieder einmal vor dem Nichts.

Doch in meinem Traum war etwas anders: Ein Fernsehzuschauer, der das alles mitansah, zwischen Werbung für Katzenfutter und Smartphones, blieb nicht auf seinem Hintern hocken. Er sprang aus seinem Sessel und mitten in die Bilder hinein — um zu helfen. Ich schreibe das Buch auch für diesen jungen Mann aus meinem Traum. Für alle, die etwas tun wollen. Und dafür, dass wir lernen, was wir tun können.

Die meisten von uns leben hinter gut gesicherten Wahrnehmungsschwellen. Wir sehen, aber fühlen nicht. Theoretisch kennen wir die Apokalypse, in der sich ein großer Teil der Tier- und Menschenwelt befindet, aber wir empfinden nicht mehr als eine dumpfe Bedrohung, die wir möglichst schnell wegkonsumieren. Wir wissen, dass Hunger als Kriegswaffe eingesetzt wird, dass Kinder verhungern. Verhungern! Es geschieht jetzt in diesem Moment, hier auf diesem Planeten!

Allein der Anblick eines einzelnen dieser Kinder würde unser Herz zerreißen, und es sind viele Tausend jeden Tag. Wie kommt es, dass wir nicht schreiend auf die Straße rennen, wenn wir so etwas Entsetzliches hören? Woher kommt unsere gottverdammte Duldsamkeit? Warum ziehen wir nicht los, bis wir wissen, was wir tun können, um den globalen Wahnsinn zu beenden? Wo ist der Mensch, der Anteil nimmt, sich mit anderen zusammentut und klug und wirkungsvoll handelt?

Ich kann mich gut erinnern, wie fassungslos ich als Kind war, als ich realisierte, dass man doch hin kann in die Hungergebiete, zu den hungernden Menschen. Man zeigte mir Fotos von ihnen. Und wenn Fotografen in die Gebiete reisen können, könnten doch auch Lebensmittel dahin transportiert werden. Aber es geschah nicht, man ließ sie sterben, jeden Tag aufs Neue, seit vielen Jahren, und wir leben weiter, wir essen,

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