Die menschenfeindliche Angstmache

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08-12-20 10:39:00,

Ein buddhistischer Mönch meditiert unter einem Baum. Da kommt die Pest vorbei, und er fragt sie: „Wohin des Wegs?“ Die Pest antwortet: „Ich gehe in die Stadt, um tausend Menschen zu töten.“ Nach einiger Zeit trifft sie auf dem Rückweg wieder den Mönch unter dem Baum. Er fragt die Pest: „Du hast gesagt, du würdest tausend töten — man berichtete mir aber, dass zehntausend Menschen gestorben sind.“ Die Pest entgegnet dem Mönch: „Ich habe tausend getötet. Die anderen tötete die Angst.“

Während wir alle in Atem gehalten werden mit Zahlen — steigenden und fallenden und manchmal stabilen —, während wir alle mit Geduld, Zuversicht oder Angst darauf reagieren, verlieren wir oftmals die grundlegenden Fragen aus den Augen. Ist es Sars-Cov-2, ist es dieses Virus, das unseren Alltag in Bann gezogen hat? Das uns im Griff hat? Oder sind es vielleicht die Maßnahmen, die von den Behörden ergriffen wurden? Oder gar unsere Projektionen, nämlich dass dieses Virus eine ständige und existenzielle Bedrohung für uns sei, weil es uns alle dahinraffen kann? Haben wir das Virus im Griff oder es uns?

Diese Fragen haben wir zu beantworten, weil das nächste Virus irgendwann auftauchen wird. Wir haben eine Lehre zu ziehen aus unseren Handlungen und Unterlassungen in dieser Zeit — spätestens, seit das Virus Norditalien erreicht hat.

Seitdem das Virus in weiter Ferne aufgetaucht war, näherten sich die mit ihm zusammenhängenden Geschehnisse. Unsere Antwort auf sie und den Diskurs, den wir von Anbeginn gewählt haben — unmittelbar und unhinterfragt, als wäre dies die einzig mögliche Reaktionsvariante —, haben wir grundsätzlich zu ändern: Wir müssen die Opferposition verlassen.

Damit meine ich, dass wir uns von Beginn an eine Position ausgesucht haben, die uns als Opfer des Virus deklariert und uns somit eine macht- und hilflose Position auferlegt: Wir gehen sofort in Deckung, in Isolation, schließen die Grenzen, ziehen uns zurück, auch vom Mitmenschen, der ein potenzieller „Mörder“ sein könnte — oder ich seiner.

Damit wird ersichtlich, dass die Projektionen, die der Opferposition inhärent sind, ja diese gar ausmachen, höchst aggressiver Art sind: Der Feind ist gesetzt und seine böse Absicht erkannt, das Virus ist unser Mörder. Aus diesem Grund gilt es zu überdenken, dass das „Opfer“ gar nicht wehrlos und unschuldig sein kann, dass wir uns nicht irreleiten lassen dürfen von einer Inszenierung und Begriffsdeutung,

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