Das wahre Wesen des Kapitalismus: 3. Der Blackrock-Kapitalismus, ein Exkurs – Geld und mehr

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14-12-20 03:29:00,

11. 12. 2020 | Hören | Im Zeitalter des Asset-Manager-Kapitalismus haben fast alle großen Kapitalgesellschaften zu einem beträchtlichen Anteil die gleichen Aktionäre, Blackrock, Vanguard, State Street und ein paar andere große Kapitalsammelstellen. Das ist etwa so, wie wenn alle Bundesliga-Clubs den gleichen Anteilseigner oder Hauptsponsoren hätten.

In den Ökonomielehrbüchern lernen die StudentInnen vom Gegensatz der Interessen der Manager eines Unternehmens und den Interessen der Aktionäre. In der populären Principal-Agent-Theorie wird den Managern zum Beispiel unterstellt, einen Hang zum persönlichen Machtgewinn oder zu einem möglichst ruhigen Leben zu haben.

Weil aber die Aktienanteile eines Unternehmens typischerweise auf viele Aktionäre mit jeweils geringen Stimmrechtsanteilen aufgeteilt sind, haben die Aktionäre, so die Theorie, Schwierigkeiten, ihre Interessen gegenüber den Managern durchzusetzen.

Unter dem Stichwort Shareholder Value wird deshalb seit den Neunzigerjahren daran gearbeitet, durch hohe variable Gehälter und Aktienoptionen das Interesse der Manager mit dem Interesse der Aktionäre an steigenden Aktienkursen in Einklang zu bringen.

Doch es mehren sich die Stimmen, die die Konzentration auf den Shareholder Value für längst überholt erklären. Denn der steile Aufstieg neuer, mächtiger Akteure am Kapitalmarkt hat dafür gesorgt, dass das Problem des zersplitterten Aktienbesitzes längst keines mehr ist. Vielmehr ist er heute sogar zu stark konzentriert.

Benjamin Braun vom Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung stellt in einer historischen Analyse der Aktienmarktstruktur mit dem Titel “American Asset Manager Capitalism” fest, dass das Bild vom machtlosen Kleinaktionären aus dem zweiten Drittel des letzten Jahrhunderts stammt, als es die Situation gut abbildete.

Im ersten Drittel gehörten amerikanische Aktiengesellschaften noch einem kleinen Kreis von Konzernen, die wiederum im Besitz einer Handvoll „Räuberbarone“ vom Schlage J.P. Morgan, Andrew Carnegie und John D. Rockefeller waren. Nachdem die Investment Trusts zerschlagen worden waren, entsprach die Aktienverteilung der Annahme hinter der Shareholder-Value-Philosophie: breit gestreuter Aktionärsbesitz von Kleinaktionären. „Ein relativ kleiner Kreis von Top-Managern konnte dadurch sehr viel Macht ausüben“ stellt Braun fest.

Konzentration der Stimmrechte bei Kapitalsammelstellen

Im Lauf der Jahrzehnte kam es wieder zu einer Konzentration des Aktienbesitzes und der Stimmrechte – wenn auch nicht des Eigentums an den Aktien. Immer mehr investierten die Kleinanleger indirekt in Aktien, indem sie Anteile oder Policen von Investmentfonds, Pensionsfonds oder Lebensversicherungen hielten. Diese institutionellen Investoren hatten genug Anteile um Einfluss zu nehmen,

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