Das Impfdilemma

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15-12-20 02:20:00,

Die Corona-Strategie der Bundesregierung sieht derzeit nur ein Exit-Szenario vor. Und das geht davon aus, dass mindestens zwei Drittel der Bundesbürger geimpft sind. Ob und vor allem wann dies überhaupt der Fall sein wird, ist jedoch unbekannt. Gesundheitsminister Spahn hält dieses Ziel bereits Ende kommenden Sommers für erreichbar – eine völlig realitätsferne Prognose, wie nicht zuletzt die vorläufige Version des Impfplans der Ständigen Impfkommission zeigt, dessen zeitlicher Horizont eher ernüchternd ist. Demnach wird die Gruppe der unter 60-Jährigen ohnehin nicht vor Dezember 2021 bei der Impfung zum Zuge kommen. Will man das Land nicht noch monate- oder gar jahrelang in einen Dauerlockdown mit verheerenden Kollateralschäden zwängen, sollte die Politik die nächsten Wochen und Monate besser dafür nutzen, einige grundsätzliche Fragen anzugehen. Von Jens Berger

Wie viel Impfstoff steht überhaupt zur Verfügung?

Für mehr als die Hälfte der Deutschen ist die Frage, ob man sich auch vor dem Hintergrund der unbekannten Nebenwirkungen der Vakzine wegen Covid-19 impfen lassen wird, im kommenden Jahr wohl eher eine theoretische Frage. Zwar werden die ersten beiden Impfstoffe der Firmen BioNTech/Pfizer und Moderna aller Voraussicht nach bereits zum Jahreswechsel in der EU zugelassen. Deutschland hat sich vertraglich bereits bis zu 100 Millionen Impfdosen von BioNTech/Pfizer zusichern lassen. Das gilt jedoch auch für die USA, die sich sogar eine Option auf weitere 500 Millionen Impfdosen vertraglich gesichert haben, Japan, das 120 Millionen Impfdosen bestellt hat, Kanada mit 76 Millionen Impfdosen und Großbritannien mit 40 Millionen Impfdosen. Die Summe der Bestellungen übersteigt die Kapazitäten der Produktion um ein Vielfaches.

Beim Impfstoff von Moderna haben die USA ein weitreichendes Vorkaufsrecht, da dessen Forschung und Entwicklung durch Moderna maßgeblich über das US-Programm „Operation Warpspeed“ finanziert wurde. Wann Dosen dieses Herstellers in Deutschland zur Verfügung stehen, ist unbekannt. Beim BioNTech/Pfizer-Impfstoff ist die Frage, zu welchem Zeitpunkt welches Land wie viele Dosen ausgeliefert bekommt, hingegen vor allem eine Frage der Produktionskapazitäten und hier scheint es ernsthaftere Probleme zu geben. Bis Ende Januar wird Deutschland nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums lediglich drei bis vier Millionen Dosen zur Verfügung gestellt bekommen. Da die beiden bald zur Verfügung stehenden Impfstoffe jeweils zwei Impfdosen für eine Impfung benötigen, könnten somit bis Ende Januar maximal anderthalb bis zwei Millionen Deutsche geimpft werden.

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