Nach dem (Wasser)Krieg in Berg-Karabach

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16-12-20 07:57:00,

Bild: Reza Deghati

Der Umweltschutz im Kaukasus vor neuen Herausforderungen und Chancen

Das am 10. November 2020 von Russland vermittelte Kriegsende in Berg-Karabach könnte trotz der weiterhin bestehenden Rivalitäten um Einflusssphären ein Aufatmen für die krisenbelastete Region bedeuten. Der Weg zu einer wirtschaftlichen Kooperation zwischen Armenien und Aserbaidschan ist zwar immer noch weit. Aber eine Vorbeugung vor weiteren Umweltschäden ist bereits abzusehen.

Die Darstellung des Konfliktes in den Medien richtete den Fokus in der Regel auf geschichtliche und kulturelle Spannungsfelder zwischen Aserbaidschan und Armenien. Hier werden dagegen die wirtschaftlichen und Umweltaspekte beleuchtet, die die Lebensgrundlagen von den Menschen im Konfliktgebiet und darüber hinaus betreffen.

Der seit 27 Jahren eingefrorene Konflikt hatte insbesondere für das Wassermanagement und die Energiewirtschaft weit außerhalb des direkten Konfliktgebiets weitreichende Folgen. Zahlreiche Gewässer in Aserbaidschan nehmen ihren Anfang in Berg-Karabach, weite Teile der Niederungen am Kaspischen Meer sind auf Wasser der Flüsse aus diesem Gebirge angewiesen. Armenien, ein Binnenstaat zwischen der Türkei und Aserbaidschan, erlangte jedoch durch die Besetzung von Berg-Karabach Kontrolle über wichtige Trinkwasserressourcen, während keine Gewässer aus unbesetzten Gebieten Aserbaidschans nach Armenien flossen. Diese geografische Gemengelage brachte mit sich, dass die armenische Besatzung des aserbaidschanischen Territoriums für dessen unbesetzte Gebiete große Auswirkungen hatte.

Der Wasserkrieg

Noch am 23. Oktober kommentierte die offizielle Zeitung des aserbaidschanischen Parlaments den Kriegsverlauf mit den Worten: Der Wasserkrieg geht zu Ende. Daraus ist abzulesen, dass sich die Dynamik der Gewalteskalation zwischen den beiden Kriegsparteien Armenien und Aserbaidschan nicht zuletzt aus der Verschärfung des ökologischen Ungleichgewichts in Aserbaidschan als Folge des jahrzehntelangen eingefrorenen Konflikts speiste.

Nach dem ersten Karabach-Krieg vom 1990-1994 verlor Aserbaidschan die Kontrolle über Berg-Karabach und sieben umliegende Provinzen. Auf Letztere erhoben die Armenier ursprünglich keinen Anspruch, sondern hatten sie als Pufferzone eingenommen. Zwei von diesen Provinzen, Cebrayil und Zengilan, liegen direkt an der Grenze zwischen Aserbaidschan und dem Iran, die entlang des Flusses Aras verläuft. Es ist kein Zufall, dass bei den Kriegshandlungen die Wiederherstellung der Kontrolle Aserbaidschans über diesen 132 km langen Grenzabschnitt zu den wichtigsten Zielen gehörte.

Gerade hier kam es mit dem Bau eines Staudamms und eines Wasserkraftwerks zu latenten Verwerfungen mit großen Folgen. Denn der Bau hatte zu erheblichem Wassermangel an der Mündung des Aras in die Kura, dem bedeutendsten Fluss Aserbaidschans, geführt. Umweltexperten warnten noch 2017,

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