Tyrannische Denkfaulheit

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16-12-20 11:51:00,

„Wenn man die Demokratie erst mal schützen muss, ist sie schon keine mehr“ — Elfriede Jelinek (Babel, 2004).

„Jedes Spiel hat seine Regeln. Wir müssen nur lernen, sie zu brechen“ — Westworld (HBO, dritte Staffel, Episode zwei, 2020).

Fritz Lang zeigt in seinem expressionistischen Meisterwerk Metropolis (1927) jene dystopische Welt des New Dark Age (1) — ein dunkles Zeitalter, das seine visionären Schatten weit in unsere Gegenwart hineinwirft. Im Fluchtpunkt einer cineastisch inspirierten Lagebildforschung lässt sich zudem jener sozialutopische Impuls in den unzähligen Motiven des teuersten Films der Weimarer Republik erkennen: Aufstand, Ausbeutung, Automation, Doppelgänger, Eifersucht, Entfremdung, Familienkonflikt, Maschinenmacht, Rache, Reichtum (2). Virtuos überblendet Lang demnach dystopische und utopische Bildkosmen — das Lichtspiel erscheint als paradoxal-philosophische Kollektivierung der Träume (3).

Während die Reichen und Mächtigen in der Oberstadt ihrem Luxusleben frönen, fristen die Arbeitssklaven in den Tiefen der Erde ihr unausweichliches Elend. Oberausbeuter Joh Fredersen sieht in den Arbeitern nichts als niedere Abhängige, schließlich folgt der Massenaufstand. In einer Schlüsselszene heißt es:

„Joh Fredersen will, dass die in der Tiefe sich durch Gewalttat ins Unrecht setzen, damit er das Recht zur Gewalt gegen sie bekommt.“

Man ist versucht, dies als die perfekte metaphorische Beschreibung der aktuellen Verstetigung des Ausnahmezustands durch die Exekutive zu lesen, die der empirisch unhaltbaren, zudem verfassungswidrigen Logik (4) einer PCR-testinduzierten (5) Pandemie-Fiktion (6) folgt — inzwischen sogar orchestriert durch perfide Methoden digitaler Demagogie, Manipulation und Zensur (7).

Die destruktive Entkopplung der Exekutive von jeder demokratischen Kontrolle ist indes kein wirklich neues Phänomen — was wir gegenwärtig erleben, ist allenfalls die radikalisierte Beschleunigung der Drift in die Antizipationsfalle, in die sich der nervöse Staat manövriert hat.

Der Philosoph Giorgio Agamben hat hierfür — vor dem Hintergrund der 9/11-Erfahrung — den juristischen Begriff des Ausnahmezustands durch rhapsodisch arrangierte Lektüren kanonischer Texte von Carl Schmitt, Walter Benjamin und Michel Foucault revitalisiert und revidiert (8).

Für Agamben ist die Gewalt der Ausnahme rechtsvorenthaltende Gewalt — zeitlich im Ausnahmezustand und räumlich in der Ausnahme des nackten Lebens:

„In diesem Brennpunkt der beiden Logiken der Ausnahme ergibt sich für Agamben nun eine katastrophale Latenz, nämlich die Möglichkeit der zeitlichen Verstetigung des Ausnahmezustands und der räumlichen Ausweitung der Exklusion von nacktem Leben“ (9).

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