Der Staatsphilosoph vor der roten Ampel

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17-12-20 03:49:00,

„Wir dürfen denken, was wir wollen, aber als Staatsbürger haben wir zu funktionieren“ – dieses Zitat stammt von Richard David Precht. Der Pin-Up-Philosoph der deutschen Talkshow-Prominenz hat kein Verständnis für jegliche Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung. An Regeln habe man sich zu halten. Punkt. Einem guten Staatsbürger stünde es nicht frei, diese zu interpretieren. Hört auf, selbstständig zu denken, Eure Regierung weiß am besten, was gut für Euch ist. Aussagen wie diese könnten auch von chinesischen oder nordkoreanischen Staatsphilosophen stammen. Erstaunlich, dass derartige Äußerungen heute unwidersprochen bleiben. Haben wir nichts aus unserer Geschichte gelernt? Ein Debattenbeitrag von Jens Berger.

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Ich gebe zu, ich gehöre einer verdorbenen Generation an. Als Kind der 1970er wurde ich in der Schule maßgeblich von Lehrern sozialisiert, die selbst während ihres Studiums gegen alte Autoritäten und staatsbürgerliches Duckmäusertum aufbegehrt hatten. So wurde ich früh an Antihelden wie den obrigkeitshörigen Opportunisten Diederich Heßling aus Heinrich Manns „Der Untertan“ herangeführt und lernte später im Geschichtsunterricht, wohin es führen kann, wenn es zu viele Mitläufer und Duckmäuser gibt, die kritisches Hinterfragen durch blinden Gehorsam ersetzt haben. Diese Lehrer und auch meine Eltern sorgten mit ihrer Erziehung dafür, dass ich Dinge nicht als gegeben hinnehme, sondern stets kritisch hinterfrage.

Daher hatte ich auch noch nie Verständnis für Mitbürger, die des Nachts an einer unbefahrenen Straße so lange an einer roten Ampel stehen bleiben, bis sie grün wird. Für Richard David Precht wäre ich deshalb wohl ein schlechter Staatsbürger. Für ihn ist die rote Ampel nämlich ein Lackmustest für unsere Gesellschaft und nur wer derartige Regeln blind befolgt, ohne sie zu hinterfragen, ist für ihn ein guter Staatsbürger.

„Wenn Sie nachts durch die Stadt fahren und da ist eine rote Ampel. Dann können Sie sich ja auch sagen, diese Ampel, die macht überhaupt keinen Sinn. Da ist kein anderes Auto, da ist kein Fußgänger. Trotzdem nötigt der Staat ihnen ab, an einer roten Ampel zu halten; einfach weil sie ein guter Staatsbürger sind, der hat sich an die Regeln zu halten und es steht ihm nicht frei, diese Regeln zu interpretieren. Persönlich können Sie denken, die Ampel ist sinnlos. Das können Sie auch Ihrer Frau oder Ihren Freunden sagen.

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