Ein umgekehrter Machiavelli

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17-12-20 03:32:00,

Die Schriftstellerin Petra Morsbach hat einen Essay über das Thema „Machtmissbrauch“ geschrieben. Titel: „Der Elefant im Zimmer. Über Machtmissbrauch und Widerstand“. Der Philosoph, Diplomat und Schriftsteller Nicolo Machiavelli hatte 1513 seine bis heute relevante und zitierte Schrift „Der Fürst“ verfasst. Darin analysiert er, wie Macht in der Wirklichkeit funktioniert und wie sie ein Fürst anwenden sollte, um erfolgreich zu herrschen. Darauf geht der Begriff „machiavellistische Politik“ zurück, der eine skrupellose Machtpolitik meint. Im Prinzip hat Petra Morsbach in ihrem Buch das Gleiche gemacht – nur mit einer umgekehrten Perspektive. Was können Menschen tun, die von Machtmissbrauch betroffen sind? Udo Brandes hat das Buch für die NachDenkSeiten gelesen und meint: eine sehr lohnenswerte Lektüre.

Petra Morsbach ist eigentlich Romanautorin. Deshalb fragt man sich natürlich: Warum hat sie ihr Thema nicht in Form einer fiktiven Geschichte bearbeitet, sondern indem sie drei reale Fälle detailliert analysiert? Die Antwort dazu findet man auf dem Klappentext:

„Man hat mich gefragt, warum ich, die Romanautorin, das Thema nicht fiktiv behandle. Antwort: Die erkundeten Milieus waren so exotisch und die Verwicklungen so reich an Widersprüchen und bestürzenden wie komischen Pointen, dass ich sie als Erfinderin nicht hätte toppen können. Auch hätte mir niemand geglaubt.“

Der erste Fall handelt von Kardinal Hermann Groer. Er war der oberste Würdenträger der Katholischen Kirche in Österreich. Wie sich herausstellte, hatte er über Jahre hinweg ihm anvertraute Jungen und Novizen sexuell missbraucht. Als dies öffentlich wurde, deckte ihn der Apparat zunächst. Und letztlich wurde er nie strafrechtlich belangt.

Im zweiten Beispielt untersucht Morsbach die sogenannte „Modellautoaffäre“. Die Akteure in diesem Fall: Die CSU-Politikerin Christine Haderthauer und ihr Ehemann Dr. Hubert Haderthauer. Das Ehepaar hatte nebenberuflich eine Firma gegründet, die mit extrem hochwertigen Modellautos mutmaßlich Gewinne im hohen sechsstelligen Bereich erwirtschaftete (die genaue Summe wurde nicht geklärt). Produziert wurden die Autos von Häftlingen, die in einer forensischen Landesklinik in Bayern untergebracht waren – im Rahmen von deren Arbeitstherapie. Diese Arbeitstherapie unterstand dem Psychiater Dr. Hubert Haderthauer. Oberste Dienstherrin der Klinik (als Sozialministerin) wurde schließlich ausgerechnet Christine Haderthauer. Auf Betreiben der Opposition wurde deshalb ein Untersuchungsausschuss im Bayrischen Landtag eingesetzt. Dessen Arbeit analysiert Petra Morsbach in ihrem Essay detailliert. Denn auffällig war, dass die Opposition nach Einsetzung des Ausschusses plötzlich keine Lust mehr hatte, nähere Details der Affäre ans Tageslicht zu bringen.

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