Griechenland: Redakteurin zur Kündigung genötigt

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17-12-20 04:39:00,

Titelseite der Sonntagszeitung To Vima

Corona-Strategie der Regierung: Kritische Reportagen sind unerwünscht

Am 29. November erschütterte die Titelseite der Sonntagszeitung To Vima das politische Leben in Griechenland. Der Leitartikel und die wichtigsten Reportagen handelten nur von einem Thema, dem Versagen der Regierung von Kyriakos Mitsotakis in der sogenannten zweiten Welle der Pandemie. Die Regierung in Athen tut sich schwer damit, eigenes Handeln selbstkritisch zu hinterfragen. Sie drängte darauf, die Boten schlechter Nachrichten zu bestrafen.

Auf Geheiß der Regierung entlassen

So jedenfalls stellt es die Hauptbetroffene, die Redaktionsleiterin Dimitra Kroustalli, dar. Sie war knapp dreißig Jahre bei To Vima und zeichnete sich nicht gerade durch Sympathie für linke oder sozialdemokratische Politik aus. Die Journalistin schreibt in ihrem Facebook Profil zu ihrem Abgang:

Am Montag habe ich Vima verlassen und ich gestehe, dass dies eine Möglichkeit war, die mir nie in den Sinn gekommen war. Nach der Veröffentlichung des Berichts über das parallele und ineffektive System zur Erfassung von Covid-Fällen durch IDIKA und EODY übte der Maximos-Palast erdrosselnden Druck aus. Dies führte zu inneren Spannungen und brachte mich in das Dilemma: persönliche und berufliche Demütigung oder Resignation.

Bei Vima war ich dreißig wunderbare Jahre, während der Perioden [der Herausgeber] Labrakis – Psycharis, Psycharis und zuletzt Vangelis Marinakis. Der plötzliche Umschwung erinnerte mich daran, wie fragil die Selbstverständlichkeiten in unserem Leben sind. Aber der Kampf, den wir Journalisten von Vima und Ta Nea gegen die Regierung von Syriza und den Unabhängigen Griechen führten, damit beide Zeitungen bestehen können, hilft mir, die Dinge im richtigen Rahmen zu sehen.

Eine besondere Erwähnung schulde ich Antonis Karakousis, mit dem wir gemeinsam diesen Sturm durchgemacht haben. Ich danke den Kollegen von Vima von ganzem Herzen für ihre emotionale Unterstützung. Ich wünsche Vima, Nea und [dem Fernsehsender] Mega, dass sie in der Medienwelt immer den Platz haben, den sie verdienen.

Dimitra Kroustalli

Eine Journalistin, die nach dreißig Jahren erfolgreicher Karriere die Kampagnen gegen die Vorgängerregierung als wichtigsten Karrierepunkt ansieht, kann mitnichten als feindlich gegenüber dem Nutznießer der Kampagnen, dem aktuellen Premier Kyriakos Mitsotakis, angesehen werden. Der Maximos Palast ist der Amtssitz von Kyriakos Mitsotakis. Von dort kam der Druck auf das Medium und die Journalistin.

Diese hatte gewagt, einen weiteren Fall von Greek Statistics offenzulegen.

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