Der dunkelste Winter

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19-12-20 02:38:00,

„In letzter Zeit überfällt mich öfter der Wunsch, meinen Job an den Nagel zu hängen“, räumte die Psychologin ein. Ihre Begründung: „Sie können traumatisierte Patienten nicht heilen, wenn die Traumatisierung noch anhält. Sie können Depressionen nicht heilen, wenn die Ressourcen nicht erreichbar sind und die Belastungen statt abgebaut politisch eher gesteigert werden. Sie können Ängste nicht heilen, wenn die Vermeidung (ein angstaufrechterhaltendes Symptom) politisch angeordnet wird. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen …“ Die Fachfrau, die als Namen nur „M.“ angibt, ist eine von 70 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die in der Buchneuerscheinung „Die im Dunkeln sieht man nicht“, herausgegeben von Albrecht Müller, über ihre Erfahrungen mit der Corona-Krise Auskunft geben.

Wie auch der Wiener Psychiater und YouTuber Raphael Bonelli stellt M. in ihrer Praxis einen drastischen Anstieg psychischer Beschwerden fest. Ein Grund hierfür: Schuld- und Versagensgefühle.

„Mein Eindruck ist der, dass Patienten, die unter Belastungen leiden, leider häufig den Rückschluss ziehen, das Problem ‚selbst verschuldet zu haben‘, weil sie sich für ‚nicht belastungsfähig‘, für ‚zu schwach‘ halten oder sich gar beschreiben als ‚sowieso psychisch labil‘.“

Hinzu kommt der subjektive Eindruck, mit seinem Leiden und seinen Zweifeln in einem Umfeld frohgemuter, psychisch unbegrenzt belastbarer Corona-Opportunisten allein dazustehen.

„Medien, die Informationen oder gar Umfrageergebnisse publizieren, die eine große Zustimmung zu einschneidenden Maßnahmen darlegen, veranlassen Patienten noch mehr dazu, sich im Schneckenhaus zurückzuziehen. Der Tenor lautet: ‚Sind ja alle ganz zufrieden damit. Also bin wohl nur ich belastet. Ergo bin ich das Problem.‘ Solche Gedanken sind Killer für das Selbstvertrauen.“

Eines möchte ich allen Leserinnen und Lesern gleich am Anfang versichern: Sie sind ganz sicher nicht allein mit Ihrer „Corona-Depression“. Ich habe versucht, das Phänomen in einem ersten Artikel vor allem als ein Phänomen zu beschreiben, das auf nicht zum Ausdruck gebrachtem gerechtem Zorn gegen die Politik beruht, der sich dann als Autoaggression gegen die so empfindenden Menschen selbst richtet. Wenn wir es derzeit mit einer Pandemie teils massiven seelischen Leids zu tun haben — im Einzelnen vor allem mit Depressionen, Angststörungen, Einsamkeitsgefühlen, Burnouts, massivem Verlust von Vertrauen und Selbstvertrauen —, so kommt dies nicht von Ungefähr. Es gibt Täterinnen und Täter, die namentlich bekannt sind und die dafür zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Es gibt viele Gründe dafür,

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