“Hungerschlangen vermeiden”

“hungerschlangen-vermeiden”

19-12-20 12:02:00,

Nahrungsmittelverteilung in La Negreta wird vorbereitet. Foto: Ralf Streck

  1. “Hungerschlangen vermeiden”

  2. Positive Momente, die die Krise freisetzt


  3. Auf einer Seite lesen

In ganz Spanien explodieren Armut und Obdachlosigkeit, da mit der Coronakrise die Wirtschaft des Landes besonders stark abgestürzt ist, doch viele Basisinitiativen kämpfen gegen die Folgen an

“So eine Schweinerei”, hallt es durch die Altstadt Barcelonas. Ein Obdachloser wühlt in seinen Kartons, die sein Zuhause an der hinteren Seite der Kirche Santa Maria del Pi bilden. “Mein Schlafsack wurde geklaut”, schreit er aus Frust über den kleinen Platz im “Barri Gòtic” (Gotischen Viertel). Der Platz liegt in der pittoresken “Ciutat Vella” (Altstadt) und war vor der Franco-Diktatur nach dem “Unbekannten Milizen” benannt. Er erinnert an die Verteidigung der Stadt und Kataloniens gegen Francos Putschtruppen.

Eine Inschrift tauchte erst 2004 bei der Renovierung der Kirche auf. Vermutlich hat den Schlafsack einer der vielen Obdachlosen gestohlen. Zwar scheint die Sonne meist noch, doch auch die Tage sind kühl und die Nächte auch hier am Mittelmeer nun richtig kalt.

Menschen wie den Bestohlenen trifft man nun in immer größerer Zahl in der katalanischen Metropole. Sie sind der deutlichste Ausdruck der explodierenden Armut. Denn die Wirtschaft in Spanien ist wie keine andere in Europa in der Coronakrise abgestürzt. Die EU-Kommission prognostiziert, dass die spanische Wirtschaft 2020 sogar um 12,4 % schrumpfen wird, so stark wie in keinem anderen Land in der Europäischen Union.

Denn sie hängt stark am Tourismus, der eingebrochen ist. Cafés, Bars und Restaurants zwar wieder geöffnet, doch wegen fehlender Gäste meist leer. So ist die Stimmung ist trübe. Und kommt es zu einer dritten Corona-Welle, vor der Experten schon warnen, ist mit einer Besserung auch im kommenden Frühjahr nicht zu rechnen.

Hotel Dalia Ramblas. Foto Ralf Streck

Sogar die Promenade Ramblas, wo sich sonst Touristen drängeln, ist leer. Hier stolpert man nun sogar tagsüber auf in Decken gewickelte schlafende Obdachlose. Improvisierte Nachtlager finden sich in allen Ecken. Biegt man von der Promenade, die die Altstadt vom Armenviertel Raval abtrennt, in Richtung des Viertels ab, nimmt die Zahl zu. “Steht auf, steht auf”, treiben Stadtpolizisten der “Guàrdia Urbana” drei Obdachlose aus Kartons und Schlafsäcken, die den Eingangsbereich des geschlossenen Hotels Dalia Ramblas als Unterschlupf nutzen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: