Gaia-X: Big-Data-Firma Palantir aus den USA ist bei EU-Cloud vorn mit dabei

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21-12-20 04:20:00,

Das auf Big-Data-Analysen spezialisierte US-Unternehmen Palantir hat sich “von Tag Eins an” dem europäischen Cloud-Projekt Gaia-X als Mitglied angeschlossen. Dies teilte der Konzern am Freitag “stolz” in einem Blogbeitrag mit. Die Ansage überrascht aus mehreren Gründen. So war bislang etwa nicht bekannt, dass die eng mit Geheimdiensten wie der CIA und der NSA sowie dem US-Militär kooperierende Firma die bei Gaia-X hochgehaltenen Werte wie Datenschutz, digitale Souveränität, Vertrauen, Transparenz und Offenheit vertritt.

Palantir nicht als offizielles Gründungsmitglied bekannt gegeben

Zudem gehört Palantir nicht zu den im September offiziell bekannt gegebenen 22 ersten Gründungsmitgliedern der gemeinnützigen Gaia-X-Gesellschaft mit Sitz in Brüssel. Darunter befinden sich Namen wie Atos, BMW, Bosch, De-Cix, Deutsche Telekom, die Fraunhofer-Gesellschaft, Orange, OVH, SAP und Siemens. Von Unternehmen aus Drittstaaten war damals noch keine Rede, auch wenn sich US-Hyperscaler sowie chinesische Ausrüster seit dem Herbst bei dem europäischen Prestigeprojekt mehr und mehr in den Vordergrund schieben.

Vor einer Gaia-X-Konferenz im November war bekannt geworden, dass neben Amazon, Microsoft und Google auch Palantir auf der damals auf gut 150 Namen angewachsenen Liste der Mitglieder in spe stünden. Über die Anträge entscheiden müsse der allein europäisch besetzte Verwaltungsrat der Gaia-X-Gesellschaft, hatte es damals geheißen. Inzwischen ist einer Frage-Antwort-Liste auf der Webseite der Institution zu entnehmen, dass “über 300 Organisationen aus vielen Ländern” bereits “involviert” seien. Konkret genannt werden davon nur Verbände wie der BDI, Bitkom, eco oder VDMA.

Big Data für Big Brother

Das vom Trump-Unterstützer Peter Thiel mitgegründete Unternehmen Palantir ist nach den sehenden Steinen aus dem “Herr der Ringe” benannt. Es zählt zu den umstrittensten Konzernen im Silicon Valley und hat seinen Hauptsitz inzwischen nach Denver verlegt. Der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU gilt Palantir, das vor rund 17 Jahren unter anderem mit Geld des CIA-Wagniskapitalarm In-Q-Tel loslegte, als “Schlüsselfirma in der Überwachungsindustrie”. Sie ist Kritikern zufolge tief in den militärisch-digitalindustriellen Komplex der USA verstrickt. Ihr Geschäftsmodell heiße: Big Data für Big Brother.

In Deutschland baut Hessen im Anti-Terror-Kampf auf Gotham, die auf deutsche Gegebenheiten angepasste Version der Palantir-Antiterror-Software. Kritiker aus der Opposition monieren, dass mit dem entsprechenden Projekt “Hessendata” eine ungerechtfertigte Rasterfahndung einhergehe. Es sei unklar, welche Daten in die USA flössen. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Europol nutzen mittlerweile ebenfalls Gotham.

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