Schwarze Weihnacht

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22-12-20 05:32:00,

„Fürchtet euch nicht“ steht auf der riesigen, aus Pappmaché gebastelten Stachelkugel. Es handelt sich um eine riesenhafte Nachbildung des sattsam bekannten Coronavirus. Ungewöhnlich ist aber der Ort, wo dieses besondere Deko-Utensil platziert wurde: die Weihnachtskrippe der katholischen Gemeinde in Renningen. Maria, Josef und das Christuskind sind auch präsent — jedoch viel kleiner, eingelagert in einer kleinen Nische im Inneren der Kugel. Sie verschwinden fast neben dem riesenhaft-bedrohlichen Virus. „Außergewöhnliche Jahre erfordern außergewöhnliche Krippen“, sagte der zuständige Pfarrer Franz Pitztal.

Die Presse berichtet über die Deko-Exzentrizität neutral bis freundlich. Alles ist möglich in der „Neuen Normalität“. „Fürchtet euch nicht“? Ich fürchte mich jetzt noch mehr — vor einem grassierenden Wahn, der auch vor traditionellen Festen unserer Kultur nicht haltmacht.

Der Vorgang in Renningen ist für mein Gefühl hoch symbolisch, und er deutet auf eine Verschiebung der Gewichte hin, wie sie zu meinen Lebzeiten bisher undenkbar gewesen sind. Corona ist wichtiger geworden als Weihnachten, größer als Jesus. Die Virus-Erzählung ist dabei, die Geschichte von Geburt und Sterben des Erlösers als zentralen Mythos des „christlichen Abendlands“ abzulösen. Es ist die eigentliche Weltreligion, der Kult unserer Zeit, wie es Gunnar Kaiser in einer brillanten Videoansprache dargelegt hat.

Bestimmte Merkmale weisen laut Kaiser das offizielle Narrativ zu Corona als quasi-religiös aus: Es existiert ein festgefügter Glaube, der sich durch Fakten keinesfalls beirren lässt. Verbohrtheit und Ausgrenzung von „Ketzern“ sind weit verbreitet. Zur Aufrechterhaltung einer linientreuen Illusion wird ein enormer mentaler Aufwand betrieben, der es hinterher umso schwerer macht, den Irrtum einzusehen.

Schon lange ahnen aufmerksame Beobachter, dass es mit der nach außen hin zur Schau getragenen christlichen Einstellung der meisten Politiker nicht so weit her ist. Zumal mit jener der „C-Parteien“, die sich besonders inbrünstig an Kriegseinsätzen, an Sozialabbau und der Etablierung einer inhumanen Flüchtlingspolitik beteiligt haben. Neu ist nur, dass an diesem Weihnachten 2020 nicht einmal mehr der Versuch unternommen wird, Respekt vor den christlichen Gebräuchen zu heucheln. In die Geschichte jenes Abendlands, das von einer Mitte-Rechts-Koalition aus Pegida, AfD, Union und Teilen der SPD angeblich so eifrig verteidigt werden musste, dürfte insbesondere Markus Söder als der erste Landespolitiker eingehen, der die Nachtmessen an Weihnachten unter Strafe verbot.

Mehr noch: Wer in der Heiligen Nacht vor die Tür gehen wird, um die Sterne zu betrachten und vielleicht auch die romantische Weihnachtsdekoration in den Nachbargärten — Lichterketten in der Form von Elchen und Weihnachtsmännern zum Beispiel —,

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