Die Totalitarismus-Leugner

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23-12-20 09:29:00,

Liebe Kinder, ihr fragt euch bestimmt, weshalb die einen der Zuversicht voll sind für die Welt ohne Besitz, die uns das Gnom am Fuße der Alpen verspricht, und andere wiederum behaupten, wir seien im Totalitarismus angekommen, im letztendgültigen. Das zweite wisst ihr im Grunde auch nur von denen, die euch erzählen, alles sei vorbereitet für den Neustart und die Maske der notwendige Schritt hin zur Erfüllung, wie sie uns das Gnom als letzten Schrei verspricht, denn die, die das nicht sagen, sind nicht zu hören und nicht zu sehen auf den Kanälen, die man euch in die Zellen blendet, und wenn, dann nur gedoubelt, wie sie Reichsfahnen, frisch gekauft, frisch entrollt, auf einer Treppe hieven.

Und ja, der Lehrer hat euch sogar gewarnt, es könne sein, dass am Montagmorgen einige Demonstranten vor der Schule auftauchten, könne leider sein. Doch solltet ihr am besten — „am besten“: hat er wirklich gesagt — nicht hinhören, wenn die was sagten, so hat er gesagt, weil es eine Demokratie sei, in der wir leben, wie die in den schönen Sofas der Fernsehstudios es ja auch sagen, und diese demokratische Welt kann sich „am besten“ entfalten, wenn niemand sagt und hört, was die Demokratie stört und die Sofas schwärzt.

Die Demonstration vor der Schule gab es dann nicht, und ihr musstet gar nicht weghören. Aber da habt ihr irgendwo den Spiegel herumliegen sehen oder die FAZ, das ist eine der vielen Zeitungen, die, ganz unabhängig voneinander und überhaupt, das schreiben, was alle anderen, ebenso unabhängig, ebenso schreiben, habt zum Beispiel die Überschrift in der FAZ gelesen, die lautet „Das Geschwafel vom Totalitarismus“, und auch der Außenminister mit dem exakten Scheitel, der immerzu Stärke zeigen will wie die Jungs auf dem Pausenhof, sagt es deutlich über Twitter:

Wer sich als eine Sophie Scholl sieht, die gegen diese freie Gesellschaft zu Felde zieht, der treibt Böses und hat die Geschichte nicht begriffen, nicht den Faschismus, nicht Auschwitz, rückt gar selbst an die Nazis heran, weil er relativiert, also leugnet, Kinder, nämlich die Einzigartigkeit der Vernichtung damals, so sagt der, der aussieht wie ein Fisch aus Jugend ohne Gott, und dass der Exaktgescheitelte nicht erkennt, wie er damit vollzieht, was er den anderen vorwirft, soll im Eifer des Gefechts verziehen sein.

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