Wer zerstört den Libanon und warum?, von Thierry Meyssan

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23-12-20 09:45:00,

Während die Zerstörung von fünf Staaten des erweiterten Nahen Ostens in den letzten zwei Jahrzehnten tödliche Kriege benötigte, wurde die Zerstörung des Libanon von den Libanesen selbst durchgeführt, ohne dass sie es bemerkten. Der Widerstand sah hilflos zu, wie das Land zusammenbrach. Es ist in der Tat möglich, einen Krieg zu gewinnen, ohne ihn führen zu müssen.

JPEG - 58 kB Mehr als die Hälfte der Libanesen haben nicht mehr genügend zu essen.

Innerhalb weniger Monate ist der Libanon, der oft – zu Unrecht – als “der einzige arabische demokratische Staat” oder sogar als die “Schweiz des Nahen Ostens” bezeichnet wurde, zusammengebrochen. Nacheinander führten Volksdemonstrationen gegen die politische Klasse (Oktober 2019), eine Bankenkrise (November 2019), eine Gesundheitskrise (Juli 2020), eine Explosion im Hafen von Beirut (August 2020) zu einem plötzlichen Verschwinden der Mittelschicht und einem allgemeinen Rückgang des Lebensstandards auf ca. 25%.

Aus libanesischer Sicht wäre diese Katastrophe auf die schreckliche Führung des Landes durch die politische Klasse zurückzuführen, deren Führer alle korrupt wären, mit Ausnahme des Führers der konfessionellen Gemeinschaft, der der Befragte selbst angehört. Dieses absurde Vorurteil zeigt eine intolerante Bevölkerung und verschleiert die Realität.

Seit der osmanischen Besatzung [1], besonders seit der Unabhängigkeit in 1942 und noch mehr seit dem Bürgerkrieg (1975-90), bildet die libanesische Bevölkerung keine Nation [2], sondern ein Aggregat konfessioneller Gemeinschaften. Die Verfassung und die Taëf-Abkommen vergeben alle politischen Funktionen und künftig auch alle öffentlichen Arbeitsplätze, nicht entsprechend den Fähigkeiten der Staatsbürger, sondern nach Gemeinschaftsquoten. Jede Gemeinschaft wählte ihre Führer, in der Regel ehemalige Bürgerkriegs-Warlords, die von der internationalen Gemeinschaft anerkannt wurden. Diese haben in ihrem eigenen Namen die Subventionen verwaltet, die ihnen die ehemaligen Kolonialmächte für ihre Gemeinschaft angeboten haben. Sie haben sich großartige Lizenzgebühren zugesprochen, die sie längst ins Ausland transferiert haben, aber haben auch sehr große Summen verteilt, um ihre “Klientele” zu halten, wie die antiken römischen Senatoren. Es ist daher völlig dumm, sie heute der Korruption zu bezichtigen, obwohl sie jahrzehntelang für die gleiche Arbeit gefeiert wurden.

Dieses System wurde von den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union unterhalten. So wurde der Präsident der Bank des Libanon, Riad Salamé, als der beste Geldgeber der westlichen Welt gefeiert, bevor er beschuldigt wurde, 100 Millionen Dollar auf privat geführten Konten im Vereinigten Königreich versteckt zu haben. Ebenso hat die Hohe Vertreterin der Europäischen Union,

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