Warum „wir“ auch in Afghanistan niemals „die Guten“ waren (Teil 1)

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27-12-20 11:53:00,

Nun ist es offiziell: Australien hat in Afghanistan zahlreiche Kriegsverbrechen begangen. Doch die jüngsten Enthüllungen sind nur die Spitze des Eisbergs – zumindest für jeden, der den Krieg am Hindukusch ausführlich verfolgt hat. Von Emran Feroz.

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Was lange bekannt war, wurde vor Kurzem endgültig von offizieller Seite bestätigt. Australische Elitesoldaten (SAS) haben in Afghanistan Kriegsverbrechen begangen und ermordeten zwischen den Jahren 2005 und 2016 mindestens 39 afghanische Zivilisten. Die Jagd und Tötung der Afghanen wurde von den Soldaten als eine Art Sport sowie als Aufnahmeritual für Neuankömmlinge betrachtet. Das perverse Prozedere wurde unter anderem als „blooding“ bezeichnet. Der dazu gehörende Bericht lässt sich an vielen Stellen wie ein Protokoll des Terrors lesen. An vielen Stellen macht es deutlich, dass afghanische Menschenleben in den Augen der westlichen Soldaten praktisch nichts wert seien. „Es passierte die ganze Zeit“, hieß es seitens vieler Soldaten, die für den Bericht interviewt wurden. Die Untersuchung wurde bereits 2016 vom australischen Militär in Auftrag gegeben. Insgesamt wurden mehr als 400 Zeugen verhört und mindestens 55 Ermittlungen aufgenommen.

Aufgedeckt wurden die Verbrechen von Investigativjournalisten des Senders ABC, die aufgrund ihrer Recherchen zu Zielscheiben australischer Behörden wurden. Richtig gelesen. Der Fokus lag nicht auf mordenden Soldaten, sondern auf jenen Journalisten, die die Verbrechen ans Licht brachten. Besonders unter Druck gerieten die Journalisten Dan Oakes und Sam Clark, die Kriegsverbrechen aufdeckten, die sich zwischen 2009 und 2013 ereignet haben sollen. Die australische Bundespolizei durchsuchte unter anderem Büros und beschlagnahmte Datenträger. Clark und Oakes reisten für ihre Recherchen nach Afghanistan, wo sie mit dem bekannten Lokaljournalisten Bilal Sarwary zusammenarbeiteten und Opfer der australischen Soldaten ausfindig machten.

Das Rechercheteam reiste hier in das südafghanische Dorf Darwan in der Provinz Uruzgan, das im September 2012 von den SAS-Einheiten und Mitgliedern der afghanischen Armee überfallen wurde. Insgesamt wurden bei diesem Angriff auf Zivilisten drei Männer getötet. Wie gewohnt hieß es, dass man auf Terroristenjagd sei und Mitglieder der Taliban suche. Nachdem die drei Männer auf brutalste Art und Weise getötet wurden, entführten die Soldaten weitere Personen. In den darauffolgenden Tagen wurden diese in einer NATO-Militärbasis in der Provinzhauptstadt Tarinkot verhört und gefoltert.

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