Corona-Maßnahmen, Kinder und die Linke: „Denkfaulheit, Opportunismus und ein Totalausfall“ (2/2)

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30-12-20 08:49:00,

„Die Verdachts-Kultur ist in Deutschland gerade wieder sehr hochgeschraubt, und zwar von allen Seiten. Der Nazi-Vorwurf wird von verschiedenen Seiten inflationär gebraucht, jede Seite wirft der anderen Seite vor, „über Leichen“ zu gehen. Das sagt der Kinderpolitik-Forscher Michael Klundt im zweiten Teil des NachDenkSeiten-Interviews. Klundt äußert sich in dem Interview weiter zur Situation der Kinder in der Corona-Pandemie, wirft aber auch einen kritischen Blick auf einige Linke, viele Medien sowie manche Wissenschaftler und kritisiert, wie vergiftet die öffentliche Diskussion ist. Von Marcus Klöckner.

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Lesen Sie dazu auch den ersten Teil des Interviews mit Michael Klundt, der gestern auf den NachDenkSeiten erschienen ist.

Von den Corona-Maßnahmen sind viele Kinder direkt betroffen, zum Beispiel beim Tragen der Maske im Unterricht. Haben Sie Einblicke in das Verhalten der Eltern? Viele scheinen die Maßnahmen zu akzeptieren oder eben hinzunehmen?

Wenn manche Schulleiter nach drei Stunden Maske tragen erschöpft abwinken, aber zugleich Schülern bis zu neun Stunden Maskenpflicht mit allen Nebenwirkungen zumuten, sind manche Kinder und Eltern schon einigermaßen irritiert. Doch das hängt natürlich auch von den jeweiligen Lebens- und Arbeitsbedingungen ab, die so differieren wie bei den Kindern auch. Mögen viele wohlhabende Eltern das Zwangs-Home-Office als wohltuende Entschleunigung oder als besonders stressig erleben, so sind die Existenzgefährdungen umso schlimmer, je niedriger die Eltern auf der Klassen-Hierarchieleiter der Gesellschaft stehen. Dass sich bestimmte Formen gesellschaftlicher Teilhabe deshalb nicht mehr ganz so ungleich darstellen wie vor der Krise, einfach weil nun niemand mehr in Theater, Opern, Restaurants oder sonstiges gehen kann und nicht nur nicht die Armen, ändert daran wenig.

Woran liegt es, dass gerade in dieser Situation kritische Stimmen von linker Seite fehlen, die die Maßnahmen hinterfragen?

Das frage ich mich auch den ganzen Tag. Denkfaulheit, Opportunismus und ein Totalausfall fallen mir da bei einigen wirklich wichtigen Akteuren in Politik, Medien und Wissenschaft auf. Leider meinten sich offenbar einige an Robert Habeck orientieren zu müssen, als er sagte, dass nun „nicht die Stunde der Opposition, sondern die Stunde der Verantwortung“ sei. Ein sehr problematischer Satz für die parlamentarische Demokratie, da er Opposition als etwas scheinbar Verantwortungsloses darstellt und nicht als etwas für eine Demokratie Lebensnotwendiges.

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