Lebendige Vielfalt

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01-01-21 05:05:00,

7,5 Milliarden: Etwa so viele Menschen leben heute auf unserem Planeten. Um die 10 Milliarden, so wird geschätzt, werden wir im Jahre 2050 sein. Werden wir alle Lebensraum finden und Nahrung? Werden wir überhaupt noch angemessene Lebensbedingungen vorfinden? Wenn wir so weitermachen, werden in absehbarer Zeit sämtliche Ressourcen erschöpft sein, das Wasser verschmutzt, die Böden ausgelaugt und die Luft kaum noch einzuatmen. Überschwemmungen, Trockenheit, Tornados, Erdbeben, Verwüstungen, Hungersnöte und Kriege vertreiben schon heute so viele Menschen, dass der wohlhabendste Teil der reichen Nationen längst begonnen hat, sich einzumauern und Pläne für die Umsiedlung auf andere Planeten voranzutreiben.

30 Billionen: Etwa so viele Zellen machen unseren Körper aus. Unablässig erneuern sie sich und halten uns in einem ständigen Prozess des Vergehens und Werdens am Leben. Eine Billarde: Etwa so viele Mikroorganismen helfen ihnen dabei. Unsere Körper werden von Myriaden von Kleinstlebewesen besiedelt: zwischen 10 und 100 Mal mehr, als wir menschliche Zellen haben. Bereits im Jahre 1683 schrieb der niederländische Naturforscher und Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek: „Es gibt mehr Tiere auf unseren Zähnen als Lebewesen im ganzen Reich.“ Mikroorganismen sind überall: im Wasser, in der Luft, in den Wolken, im Boden, im Gestein, im Wüstensand, im Polareis, in Wein und Käse, auf unserer Haut und überall in unserem Körper.

Selbst in unserer Lunge, in unserem Magen und in unserem Gehirn, was man lange Zeit für mikrobenfreie Territorien gehalten hat, tummeln sie sich zu Milliarden. Zahlenmäßig sind sie uns in jeder Hinsicht überlegen: Während wir 22.000 verschiedene menschliche Gene in unserem Körper tragen, hat eine einzige Bakterie in uns mehr als 1.000 Gene. In uns sind somit etwa 3,3 Millionen fremde Gene aktiv, 300 Mal mehr, als wir in unserem Erbgut haben. Selbst in unserer DNA sind Gene von Mikroben eingebaut. Mehr noch: Sie scheint sich aus Viren heraus gebildet zu haben. Damit stehen wir heute vor der unbequemen Frage, was wir biologisch gesehen eigentlich mehr sind: Mensch oder Mikrobe?

Einmal mehr hat unser Selbstbild einen Kratzer abbekommen. Damit haben wir einige Übung. Kopernikus konfrontierte uns einst mit der Tatsache, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist, Darwin eröffnete uns, dass unsere nächsten Verwandten die Affen sind, Freud zeigte uns, dass wir nicht einmal über uns selbst herrschen, sondern zu einem großen Teil von unserem Unterbewusstsein gelenkt werden, und heute müssen wir nicht nur erfahren,

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