Freiheit für die Plowshares 7

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02-01-21 09:06:00,

Angesichts steigender Corona-Fallzahlen sind im Sommer Tausende Häftlinge aus US-Gefängnissen freigelassen worden, weil ihre Sicherheit und die des Personals in den überbelegten Haftanstalten in der Pandemie nicht gewährleistet werden konnte. Für Friedensaktivisten kennt die US-Justiz kein Erbarmen. Martha Hennessy und Carmen Trotta von der gewaltfreien Gruppe „Kings Bay Plowshares 7“ mussten gerade ihre Haftstrafen antreten, zu denen sie wegen einer symbolischen Abrüstungsaktion auf einem US-Atomwaffenstützpunkt verurteilt worden sind. Von Rüdiger Göbel

Vor gut einem Jahr habe ich für die Nachdenkseiten mit Martha Hennessy von der katholischen Friedensinitiative „Schwerter zu Pflugscharen“ über ihre mutige Protestaktion gegen das US-Atomwaffenprogramm gesprochen, für die ihr und ihren sechs Mitstreitern Clare Grady (61), Patrick O‘Neill (61), Carmen Trotta (57), Pater Steve Kelly (71), Mark Colville (58) und Elizabeth McAlister (81) ab dem 21. Oktober der Prozess gemacht wurde. Die „Kings Bay Plowshares 7“, wie sie sich nennen, oder kurz: #KBP7, waren am 4. April 2018, dem 50. Jahrestag der Ermordung von Martin Luther King, in die US-Marinebasis in Georgia eingedrungen, einen der größten atomaren Stützpunkte der US-Kriegsflotte. Die Pflugscharaktivisten durchtrennten den Sicherheitszaun, gossen ihr eigenes Blut auf das offizielle Siegel der Basis, hängten an einem Verwaltungsgebäude Tatortbänder und Transpartente auf – und hämmerten auf ein am Eingangsbereich zur Schau gestelltes Modell einer Tomahawk-Rakete ein. Ziviler Ungehorsam gegen atomaren Wahnsinn, der keinen verletzte, aber viele aufrütteln sollte.

Vor Gericht mussten sich die Pazifisten für ihre symbolische Abrüstungsaktion wegen Verschwörung, Zerstörung von Eigentum an der Kings-Bay-Marinebasis und Verwüstung von Staatseigentum sowie Hausfriedensbruch verantworten. Nach nur vier Prozesstagen hatte ein zwölfköpfiges Geschworenengericht alle Angeklagten in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Die Hintergründe ihrer Protestaktion, die Motivation für ihren religiös begründeten zivilen Ungehorsam, die existentielle Bedrohung durch Atomwaffen wie die in der Kings-Bay-Marinebasis gelagerten Trident-Interkontinentalraketen, durften sie vor Gericht in Brunswick erst nicht vortragen. Das Strafmaß sollte Anfang 2020 verkündet werden, Martha Hennessy und den anderen der #KBP7 drohten jeweils bis zu 25 Jahre Gefängnis.

Die Plowshares 7 haben ihre Freiheit riskiert, indem sie ihren christlichen Glauben in die Praxis umsetzten. Martha Hennessy verwies im Nachdenkseiten-Gespräch auf das Alte Testament, wo es bei Jesaia 2, 4 heißt: „Der Herr wird zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben,

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