Psychosoziale Katastrophe

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05-01-21 04:46:00,

Mediziner und Parlamentarier fordern Erfassung der Kollateralschäden von Corona-Maßnahmen

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in der ersten Schaltkonferenz des neuen Jahres über eine mögliche Verschärfung der Corona-Maßnahmen und eine Verlängerung des aktuellen “Lockdowns” reden, steht vielen Betroffenen das Wasser bis zum Hals.

Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, dass es möglich ist, sowohl die Gefährdung älterer und vorerkrankter Menschen durch das Coronavirus ernst zu nehmen als auch die materiellen und psychosozialen Folgen der “Lockdowns” zur Eindämmung der Pandemie. Doch viele der “Kollateralschäden” sind bislang unerfasst.

Ärztinnen und Ärzte, die sich in der deutschen Sektion der Organisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e. V.) engagieren, haben unlängst in einem Thesenpapier gefordert, dass sich das ändern soll. “Coronaverharmloser” sind sie sicher nicht – sie betonen zunächst unter anderem, dass zur Bekämpfung der Pandemie freier Wissens- und Technologietransfer auf medizinischem Gebiet und sofortige Waffenstillstände in allen internationalen Konflikten nötig seien.

Zu ihren Handlungsvorschlägen gehört aber auch die “Quantifizierung der Schäden und insbesondere Zählung der Toten in Deutschland nicht nur durch Covid-19, sondern auch durch die Maßnahmen dagegen”. Unterschrieben wurde dies sowohl von Internisten und Chirurgen, denen wohl die Vielzahl verschobener Operationen Sorgen bereitet, als auch von einer Psychiaterin und einem Psychotherapeuten.

Erfahrung höherer Gewalt

Während etliche Menschen, die schon vor dem ersten “Lockdown” im Frühjahr 2020 an einer diagnostizierten Depression litten, Einschränkungen in der Behandlung erlebten, weil Therapiestunden ausfielen, veränderte sich das Selbst- und Weltbild von Personen, die bisher geglaubt hatten, ihr “Leben im Griff” zu haben. Mit dem Stichwort “Eigenverantwortung” war der Sozialabbau der “Arbeitsmarkt- und Sozialreformen” der Agenda 2010 begründet worden.

Etliche Menschen, die sich in diesem Sinne “vorbildlich” verhalten und prekäre Jobs angenommen hatten oder als Kleinunternehmer finanzielle Risiken eingegangen waren, mussten im Zuge der Coronakrise staatliche Hilfen beantragen, die in der Regel nicht ansatzweise reichen, um den ohnehin bescheidenen Lebensstandard zu halten.

Insgesamt mussten in Deutschland rund 40 Prozent der Erwerbspersonen im “Coronajahr” 2020 Einkommensverluste hinnehmen, wie eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab. Bei einer unbekannten Zahl der bisherigen “Macherinnen und Macher” aus Branchen wie Gastronomie, Event- und Kulturszene sowie Teilen des Einzelhandels dürfte dies auch psychische Krisen ausgelöst haben.

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