Das entzweite Land

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07-01-21 09:38:00,

Ein Riss geht durch die deutsche Gesellschaft wie schon lange nicht mehr. Angefeuert durch die immer brachialer werdende, völlig einseitig, transatlantisch dominierte Ideologisierung in der deutschen Politik und in den deutschen Leitmedien, die sich einem ergebnisoffenen demokratischen Dialog unterschiedlicher Meinungen strikt verweigern und Bürger oder andere Staaten nur noch in Gut und Böse unterteilen.

Und schuld an alldem sind natürlich immer nur die anderen, entweder die bösen Bürger im Inland oder die angeblich feindlich gesinnten anderen Staaten außerhalb, während sich die Propagandisten des ausschließlich guten „Werte-Westens“ permanent mit einem kritikresistenten, selbstherrlichen Heiligenschein umgeben.

Wie konnte es dazu kommen? Was ist da eigentlich schiefgelaufen? Und — ist das nicht eigentlich nichts anderes, als dass die jahrzehntealten, immer nur oberflächlich vernarbten, tiefen Wunden wieder aufbrechen? Gut möglich. Nein: eher sehr wahrscheinlich.

Denn um die eigentlichen Ursachen der dramatischen Polarisierung in der deutschen Gegenwart verstehen zu können, muss man weiter zurück in die Geschichte blicken. Ulrich Heyden hat das in seinem neuen Werk „Wie Deutschland gespalten wurde“ getan. Darin beleuchtet er, wie es nach Kriegsende zur deutschen Teilung kam, und zwar unter einem bisher kaum untersuchten Aspekt, nämlich „der Politik der KPD 1945 bis 1951“.

Natürlich kann man sich als Leser erst mal fragen, ja mein Gott, das alles ist mittlerweile schon über 70 Jahre her, ist das nicht bloß noch Schnee von gestern, also müßig, sich damit zu beschäftigen? Und außerdem: Welche Rolle soll damals die Kommunistische Partei schon gespielt haben?

Nach der Lektüre der gut über 400 Seiten stellt sich diese Frage nicht mehr, denn wie zitierte Helmut Kohl anno 1995 im Deutschen Bundestag so weise: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“

Unter diesem Blickwinkel betrachtet ist Heydens bemerkenswerte Überarbeitung seiner Magisterarbeit an der Historischen Fakultät in Hamburg von 1990 eine Abhandlung, die an Aktualität und mitunter leider sehr bestürzenden Parallelen zur Gegenwart nichts eingebüßt hat. Das wird schon im Vorwort deutlich. Heyden stellt hier den Kontext zur jüngeren Zeitgeschichte Gesamtdeutschlands her.

Die friedlichen Revolutionäre von 1989 sind für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und viele von ihnen vor allem auch für die D-Mark auf die Straße gegangen. Die D-Mark kam dann sehr schnell in den Osten, aber mit den sogenannten westlichen Werten sieht es dagegen,

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