Der gescheiterte Dialog

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07-01-21 11:39:00,

von Christian Stolle

Leipzig hat genau eine lokale Tageszeitung, die Leipziger Volkszeitung (LVZ). Aufgrund dieser Alleinstellung trägt die LVZ eine besondere Verantwortung, den lokalen Diskurs abzubilden und im Optimalfall auch zu fördern. Daher freuten wir uns bei der BewegungLeipzig, als zwei unserer Mitglieder am 2. Dezember 2020 zu einem Gespräch in den Hauptsitz der Zeitung eingeladen wurden.

Anlass für die Einladung war ein Brief von Mitgliedern und Sympathisanten unserer Bewegung an die Zeitung. Darin warfen sie der LVZ eine unzureichende und einseitige Berichterstattung zur Demo am 7. November 2020 in Leipzig vor. Obwohl die Demoteilnehmer überwiegend friedlich waren, aus der Mitte der Gesellschaft kamen und gegen die Unverhältnismäßigkeit der Coronamaßnahmen sowie die schrittweise Aushöhlung der demokratischen Grundrechte demonstrierten, lag der Fokus der LVZ auf gewalttätigen Ausschreitungen, die eine bedauerliche Randerscheinung darstellten und vor allem von organisierten Störern ausgingen.

Leider stellte die LVZ dies jedoch nicht so differenziert heraus. Insbesondere wiesen die Autoren des Briefes auf die Konsequenzen der tendenziösen Berichterstattung hin: „Das führt zur Spaltung und erhöhtem Gewaltpotenzial innerhalb der Gesellschaft.“

Leider hat sich dies bewahrheitet. Am 9. November wurden die etwa 25 Teilnehmer einer unserer Friedensdemos in der Leipziger Innenstadt eine Stunde lang von Hunderten Gegendemonstranten aus der Antifaszene umstellt, angebrüllt und als Nazis beschimpft, bevor sie mithilfe der Polizei entkommen konnten. Bei einer weiteren Demonstration am 21. November ereignete sich eine ähnliche Situation, als Kritiker der Grundrechtseinschränkungen über Stunden von Gegendemonstranten aus der Antifaszene bedrängt und diffamiert wurden.

Ein Demonstrationsteilnehmer wurde dabei am Boden liegend von mehreren Vermummten getreten, laut Polizei sprangen die Angreifer sogar auf seinen Kopf. Erst nach dem Warnschuss eines Polizisten flohen die Angreifer, und das Opfer wurde zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

Die Soko LinX ermittelt in diesem Fall nun wegen versuchten Totschlags.

Im Gespräch mit zwei Mitarbeiten der LVZ bekräftigten wir unsere Unzufriedenheit mit ihrer Berichterstattung. Sie verteidigten sich damit, es sei selbstverständlich, sich aufgrund der gewalttätigen Ausschreitungen am 7. November in der Berichterstattung vor allem auf diese zu konzentrieren. Zudem würden sie alle Seiten zu Wort kommen lassen; beispielsweise habe es vor einigen Monaten ein Interview mit zwei Initiatioren der BewegungLeipzig,

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