Putin, Pipelines und der Krieg um Berg-Karabach

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07-01-21 10:51:00,

In unmittelbarer Nähe von Berg-Karabach verlaufen für den Westen strategisch wichtige Öl- und Gas-Pipelines. Das erleichterte die Initiative des russischen Präsidenten Wladimir Putin für einen Waffenstillstand zwischen Aserbaidschan und Armenien. Von Ulrich Heyden.

Armenien befindet sich seit dem von Wladimir Putin durchgesetzten Waffenstillstand vom 10. November 2020 in einer Art Schockzustand. Es gab 6000 – nach inoffiziellen Zahlen sogar über 10.000 – tote aserbaidschanische und armenische Soldaten im Karabach-Krieg. Weite Landstriche und zahlreiche Ortschaften auf beiden Seiten der Front sind vom Krieg verwüstet. Für Armenien und Berg-Karabach endete der von Aserbaidschan aufgezwungene Krieg mit einer fast totalen Niederlage. In Jerewan gibt es fast täglich Protestdemonstrationen, auf denen der Rücktritt von Ministerpräsident Nikol Paschinjan gefordert wird. Die Demonstranten werfen ihm „Verrat“ vor.

Die großen Medien in Deutschland behandeln den Krieg um Berg-Karabach nur noch am Rande. Man scheut sich, diejenigen zu benennen, die das Friedensabkommen von 1994 gebrochen haben. Und man will das Nato-Mitglied Türkei, welches an dem Krieg mit Drohnen, Beratern und Söldnern beteiligt war, nicht mit Kritik behelligen.

An einem eskalierenden Krieg konnte der Westen kein Interesse haben

Warum es am 9. November 2020 eigentlich zu einem Waffenstillstand zwischen Aserbaidschan und Armenien kam, bleibt in den Berichten der großen deutschen Medien nebulös. Reinhard Veser schrieb in einem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „es stellt sich überdies die Frage, mit welchen Argumenten oder Hebeln Putin den aserbaidschanischen Diktator Alijew dazu bewegen konnte, just in dem Moment die Kämpfe einzustellen und dazu auch noch russische Soldaten in seinem Land zu akzeptieren, in dem nach dem Fall der symbolisch und strategisch wichtigen Stadt Schuscha Aserbaidschans vollständiger Sieg auf dem Schlachtfeld zum Greifen nahe war.“

Der FAZ-Kommentator stellte sich unwissend. Die für den Westen strategisch wichtigen Pipelines im Südkaukasus fallen ihm beim Thema Karabach-Krieg nicht ein. Stattdessen raunt er von „Putins Hebeln“.

Die Pipelines befinden sich in einem Abstand von nur 30 Kilometern vom Kriegsgebiet Berg-Karabach entfernt. Sie transportieren Öl und Gas unter Umgehung der Territorien von Armenien und Russland nach Westen. Um welche Pipelines geht es genau?

Die 2005 in Betrieb genommene Öl-Pipeline Baku-Tbilissi-Ceyhan transportiert Öl aus dem Kaspischen Meer zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Eigentümer der Öl-Pipeline ist unter anderen British Petroleum mit 30,1 Prozent, der US-Konzern Chevron mit 8,9 Prozent und die norwegische Statoil mit 8,71 Prozent.

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