Schule funktioniert nicht von zu Hause

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07-01-21 10:04:00,

Schulschließungen wegen Corona haben “digitale Bildung” als hohle Phrase entlarvt. Auch sonst sollte man gegenüber Lernsoftware skeptisch sein. Interview mit dem Wirtschaftsjournalisten und Dozenten Ingo Leipner

Wie digitale Medien unser Leben und unseren zwischenmenschlichen Umgang verändern, diese Frage beschäftigt den Wirtschaftsjournalisten und Dozenten Ingo Leipner schon seit mehreren Jahren (Digitale Bildung – eine Lüge?). Gemeinsam mit Gerald Lemke verfasste er die Bücher “Zum Frühstück gibt’s Apps” und “Die Lüge der digitalen Bildung”, und mit der Medienpädagogin Paula Bleckmann fügte er der Kritik anschließend konstruktive Handlungsvorschläge hinzu: “Heute mal bildschirmfrei”.

Kürzlich ist nun sein neuestes Buch zum Thema erschienen: “Die Katastrophe der digitalen Bildung“. Die Steigerung von der “Lüge” zur “Katastrophe” spießt Leipner gleich im Vorwort selbstironisch auf. Kommt danach der “Untergang des Universums”? Nein, aber angesichts dessen, was die aktuellen Entwicklungen für die Bildungslandschaft befürchten lassen, ist “Katastrophe” jedenfalls angemessen. Ich habe Ingo Leipner zum Gespräch getroffen und ihn nach den Gründen für seine Sorgen gefragt.

Im ersten Corona-Lockdown mussten Schulen und Schüler plötzlich einen Crashkurs in computergestützten Lehrmethoden absolvieren. Auch meine Kinder waren monatelang zu Hause und wurden mehr schlecht als recht per E-Mail und Skype beschult. Das hat überwiegend nicht funktioniert: Unterricht gab es kaum, sondern meist nur Arbeitsaufträge per E-Mail; die Motivation war im Keller, und der Lernerfolg nicht erkenntlich. Sie haben für Ihr Buch Studien dazu ausgewertet. Bestätigen die meinen Eindruck?

Ingo Leipner: Die Wissenschaftler haben im Sommer 2020 herausgefunden, dass sich die große Mehrzahl der Lehrer auf das Verschicken von Aufgaben-Paketen per E-Mail beschränkten, wobei ein Feedback auf die Lösungsvorschläge der Schüler häufig ausgeblieben ist. Das ist aus Sicht der Motivation sehr bedenklich. Dann reduzierte die große Mehrzahl der Schüler deutlich ihren Zeitaufwand für schulische Aktivitäten. Selbst in der gymnasialen Oberstufe fiel es schwer, den Lernalltag mittels “Homeschooling” zu gestalten. Auch die sozialen Folgen des “Homeschoolings” können beträchtlich sein, weil benachteiligte Schüler zuhause oft überfordert sind, gerade wegen des fehlenden Feedbacks. Eltern sind oft mehr eine Last als eine Hilfe. Und die vierte Erkenntnis: Die passive Nutzung von Bildschirmmedien hat in der Corona-Zeit stark zugenommen, um 75 Prozent in der Woche, so eine Studie der DAK. Das betrifft u. a. Computerspiele.

Eine weitere wissenschaftliche Studie hat ja mittlerweile bestätigt, dass Schüler sogar in den Niederlanden,

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