Vom Lockdown zum Ausverkauf des Mittelstandes

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07-01-21 11:37:00,

Das Schüren von Angst und erzwungene Geschäftsschließungen sind ein Segen für Großkonzerne. Ein Gastkommentar

Am 21.12. lautete die Überschrift eines Wirtschaftsartikels: “Insolvenzen: In der Eurozone droht der große Ausverkauf – China wird profitieren”. In dem Artikel (mit Zahlschranke) heißt es: “Während China seine Wirtschaft wiederbelebt, droht in der Eurozone eine Insolvenzwelle unbekannten Ausmaßes. China könnte schon bald auf eine ‘große Einkaufstour’ in der Eurozone gehen (…) Währenddessen wird in Chinas Clubs und Bars ausgelassen gefeiert – ohne Mundschutz und Abstandsregeln.”

Nicht alle sind also unglücklich über eine mögliche Insolvenzwelle in Europa, im Gegenteil. Das gilt nicht nur für chinesische Konkurrenten, sondern für alle Konzerne und Fonds, die auf hohen Cash-Beständen sitzen. Und es gibt momentan einige, die über extrem hohe Liquiditätsbestände verfügen. Denn in allen Krisen gilt: Cash is king.

Durch die europäischen und weltweiten Lockdowns schrumpfte die Wirtschaft des Euroraums in den ersten drei Quartalen 2020 um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei gilt für die einzelnen Länder: Je strenger die Lockdowns waren, desto schlimmer war der Wirtschaftsabsturz.

Für das vierte Quartal wurden die Prognosen für die Eurozone wegen der zweiten Lockdown-Welle von führenden Wirtschaftsforschungsinstituten vor Kurzem um 4,9 Prozentpunkte nach unten korrigiert. Statt eines Wachstums von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal soll die Euro-Wirtschaft nun um 2,2 Prozent zurückgehen.

Man sieht daran gut die erneut dramatische Auswirkung von Lockdowns auf die Wirtschaftsleben. Für das erste Quartal 2021 wird wegen der Lockdowns jetzt nur noch ein sehr schwaches Wachstum von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet.1 Daher ist es kein Wunder, dass viele Experten für den Euroraum 2021 mit einer Pleitewelle und Bankproblemen rechnen.

Die deutsche Wirtschaft sackte in den ersten neun Monaten 2020 gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent ab.2 Unsere Exporte sanken in den ersten zehn Monaten um über elf Prozent gegenüber dem Vorjahr (Stand 23.12.2020). Sie sollen im Gesamtjahr um 13 Prozent sinken. Der ifo-Index, häufig ein guter Konjunkturindikator, lag im Dezember 2020 mit 92,1 etwa 3,5 Prozent unter dem Vorjahreswert von 95,5 und zeigt damit selbst von dem momentan stark gedrückten Wirtschaftsniveau ausgehend nicht gerade einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung an.3

Durch den zweiten harten Lockdown seit November wird unsere Wirtschaft erneut stark in Mitleidenschaft gezogen werden.

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