Sturm auf die “Festung der Freiheit” und die Demokratie

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08-01-21 02:29:00,

Die Unruhen am und im Kapitol in Washington werfen weit grundsätzlichere Fragen auf, als es in den Mainstream-Medien geschieht. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici nannte das Geschehen entsetzt einen “Skandal und eine Schande”. Bundesaußenminister Heiko Maas kritisierte “Trump und seine Unterstützer“, deren unfassbare Bilder “die Feinde der Demokratie … freuen”. Wer an der Oberfläche der Ereignisse bleibt, der kann all das nur hilflos schlimm finden. Weiter führt es, wenn die Analyse Fragen an das Gesellschaftssystem stellt, in dem eine solche Gewalt um sich greifen konnte. Von Bernhard Trautvetter.

Die Vertreter des Systems lenken von solch grundsätzlichen Fragen durch die weithin eingespielte Personalisierung in der Berichterstattung ab. Der personalistische Blick engt die Betrachtung der Abläufe auf Fragen von Schuld und Heldentum ein. Akteure werden in den Vordergrund gestellt, dass die Strukturen hinter ihnen aus dem Blick geraten. Trump wird als der Betriebsunfall, als der Ausnahmefall behandelt, der als geistiger Brandstifter Öl ins Feuer kippt und seine Fans anstachelt, anfeuert und das Chaos verursacht. Viele Kommentare aus der politischen Führung westlicher Staaten und aus transatlantisch ausgerichteten Medien erklären die egozentrische Person Donald Trump zum Alleinverantwortlichen für die Gewaltakte, die an Staatsstreiche erinnern. Auch der Begriff ‘Putsch‘ kommt vor.

Wer die Trump-Anhänger nur als Verführte und den Brandstifter als Alleinverantwortlichen darstellt, übergeht oder übersieht lange schon virulente Zusammenhänge. Es geht dabei auch um die Frage, warum so viele Menschen sich so demokratieverachtend verhalten, warum Rechte in immer mehr westlichen Staaten eine konkrete Gefahr für die Demokratie werden konnten. Eine wichtige Antwort dazu gab der Regisseur und Autor Michael Moore vor dem Wahlsieg Donald Trumps 2016: Er erklärte sinngemäß, die ehemals stolzen Bewohner des nun weitgehend de-industrialisierten ‘Rost-Gürtels’ im Umfeld einst prosperierender Fabriken seien durch den Absturz ihrer Region seelisch gebrochen, deprimiert und ringen um ihre Existenz …

Wütende, verbitterte arbeitende (und nicht arbeitende) Menschen, die durch den sogenannten Trickle-Down-Effekt (Erklärung: wenn es den Reichen gut geht, fällt für die Armen mehr ab, B.T.) vom Ex-US-Präsident Reagan belogen und von den Demokraten betrogen wurden. Diese versuchen immer noch, einen guten Spruch zu verbreiten, während sie sich aber in Wirklichkeit nur darauf freuen, Menschen mit der Hilfe von Goldman-Sachs-Lobbyisten abstürzen zu lassen, ehe sie einen schönen großen Scheck von den Lobbyisten erhalten, bevor diese den Raum verlassen. Was in Großbritannien mit dem Brexit passiert ist,

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