Virologen auf allen Kanälen

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08-01-21 02:27:00,

Wie wir die Pandemie sehen und welche politischen Maßnahmen wir zur Eindämmung der Pandemie befürworten oder ablehnen, hängt auch stark damit zusammen, welche Informationen wir wie vermittelt bekommen. Gerade für Menschen, die nicht so viel im Internet unterwegs und auch keine eifrigen Zeitungsleser sind, spielen die großen Talkshowformate der Öffentlich-Rechtlichen bei der Meinungsbildung immer noch eine sehr große Rolle. Corona war in diesen Talkshows im letzten Jahr das bestimmende Thema. Die Auswahl der Experten und Gäste war dabei jedoch extrem einseitig. Während Virologen in den fünf großen Formaten auf ganze 88 Auftritte kamen, waren Experten aus anderen Fachbereichen eher eine Ausnahme. Auch bei den eingeladenen Politikern war dieser Trend überdeutlich: So kommt der SPD-Politiker Karl Lauterbach auf sagenhafte 30 Auftritte, in denen er weniger eine umfassende politische Bewertung, sondern meist eine – größtenteils alarmistische – virologische Position zum Besten gab. Wer derart einseitig informiert wird, läuft Gefahr, das Thema auch einseitig zu betrachten. Von Jens Berger.

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Wertet man die Gästeliste der fünf großen Talkshowformate von ARD und ZDF aus, kommt man zu einem für viele sicher überraschenden Ergebnis. Der allgegenwärtige „Virologie-Papst“ Christian Drosten war in den Talkshows eher eine Randerscheinung. Zwar war er ganze viermal bei Maybrit Illner zu Gast, bei Frank Plasbergs „hart aber fair“, Sandra Maischberger, Anne Will oder Markus Lanz war er jedoch nie. Er hatte wohl „Besseres zu tun“. Zum Beispiel Interviews zu geben und den Printmedien Zitate zu liefern – so ergab eine Datenbankrecherche aus dem Mai, dass Drosten alleine in den ersten fünf Monaten des Jahres bereits auf 1.700 Zitierungen in den regionalen und überregionalen Zeitungen und den Online-Plattformen der Süddeutschen, der Welt und des Spiegels kommt.

Auf den Talkshowsesseln der Republik musste sich Drosten jedoch anderen Virologen geschlagen geben. Jonas Schmidt-Chanasit und Melanie Brinkmann nehmen hier mit jeweils 16 Auftritten die Spitzenrolle ein – beide waren somit sogar häufiger zu sehen als jeder Politiker, mit Ausnahme von Karl Lauterbach. Insgesamt kam der „Berufsstand“ der Virologen und Epidemiologen im letzten Jahr auf 88 Talkshow-Auftritte und dabei sind die Experten aus anderen medizinischen Disziplinen, wie Intensivmediziner oder Lungenfachärzte, noch nicht einmal mitgezählt. Andere Disziplinen waren deutlich weniger präsent.

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