Die Macht, Konformitätsdruck zu erzeugen | von Anna Zollner | KenFM.de

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10-01-21 04:29:00,

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Ein Standpunkt von Anna Zollner.

Die Zeit, in der der Mensch die Welt, in der er lebte, vollständig verstand, ist lange vorbei. Spätestens seit der Einführung der Lohnarbeit als Dauerzustand, hat die Welt des Menschen begonnen sich in immer kürzeren Abständen und mit immer höherer Geschwindigkeit in ein unübersichtliches Etwas zu verwandeln. Der Mensch ist von den sich ihm bietenden, unendlichen Möglichkeiten sich selber zu verwirklichen – oder zutreffender, wie der Zeitgeist es fordert, sich selber verwirklichen zu müssen – vollkommen überfordert. Diese Überforderung ist kein Zufall. Sie ist gewollt, sie wird dem Menschen vom System, in dem er sich wiederfindet, aufgedrängt. Er wird in dieses, in Wahrheit menschenfeindliche, da unmenschliche System hinein „schabloniert“. Passend gemacht. Er hat sich, will er nicht gegen die Regeln spielen, gefälligst bis zur Unkenntlichkeit seiner Selbst anzupassen.

Für diesen totalen Gehorsam gibt es weniger Angst noch mehr allein zu sein als die meisten Menschen es schon sind. Single-Haushalte mit hoher Aktivität in sozialen Netzwerken. Digitale Einzelhaft im globalen Kollektiv, das sich als Paradies inszeniert.

Der moderne Mensch kann diesem Paradies kaum noch ausweichen. Bis auf ein authentisches Verhältnis zu sich selbst, fehlt es ihm an nichts. Es geht ihm wie einem Neandertaler, dem man ein Abo von Netflix andrehen würde, damit in seiner Höhle nach 20 Uhr 15 keine Langeweile aufkommt.

Was dem Menschen der Moderne als totale Freiheit, als gigantische Chance, als nicht enden wollende Flexibilität verkauft wird, ist in Wahrheit der vollkommene Verlust von Verlässlichkeit, von Berechenbarkeit, von Zugehörigkeit, von Heimat.

Ein Leben im totalen Außen – neudeutsch: ein Leben als Digital-Nomade – ein Leben das die permanente Inszenierung diktiert, ein solches Leben mag für den einen oder anderen durch Ideologie getrimmten Großstadtbewohner attraktiv sein, für die meisten Menschen ist ein solches Leben eine Qual, denn es handelt sich um ein Leben ohne inneres Zentrum. Verloren in einem „Zuviel an Möglichkeiten“ verliert der Mensch sich selbst und wird damit zum labilen Spielball von Interessen die vor allem eines im Sinn haben: vollkommene Kontrolle des Individuums.

Um dieses Ziel zu erreichen ist eine vorherige,

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