Brotlose Kunst

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11-01-21 09:00:00,

Brotlose Kunst. Dieser Begriff ist immer schon – auch vor Zeiten der Pandemie – als ironisch, sarkastisch gemeintes Mittel der Geringschätzung gegenüber Kultur- und Kunstschaffenden verwendet worden. In der Pandemie wird der Freud’sche Versprecher täglich schmerzhaft spürbar, denn als systemrelevant gelten Menschen der Muse eher nicht. Doch die Künstler sind wichtig, sagen sie, sie begehren auf und machen auf sich aufmerksam – wie zum Beispiel der Sänger Dirk Zöllner. Von Frank Blenz.

Die Petition „Kultur ins Grundgesetz“ steht noch weniger als 15 Tage im Raum, es bedarf weiterer Stimmen, damit dieser Antrag überhaupt in der Politik thematisiert wird, findet der Künstler Dirk Zöllner.

„Ich bitte Euch darum, das Anliegen als meine Freunde und kulturvolle Menschen zu unterstützen und zu verbreiten.“

Der Berliner Künstler Dirk Zöllner schreibt das auf seinen Internetseiten und wirbt um Unterschriften, damit die Kunst nicht als brotlos für alle Zeit belächelt werden kann. Er tut es nicht allein, viele seiner Kollegen sind im Boot. Dirk Zöllner ist Sänger, Musiker, Komponist, Buchautor, ein Lebensfreudiger, Hungriger, Zweifelnder, der in diesen Monaten (es wird nebenbei im Februar ein Jahr mit Corona und der Katastrophe drumherum) kraftvoll und öffentlich seinen Fans die Hoch und Tiefs seines Seelenzustandes offenbart. Gerade kämpfen Zöllner und viele seine Kollegen trotz allem noch mehr als sonst. Allein – ihr Engagement, ihre Wortmeldungen finden wenig Platz im Mainstream.

Es ist Zöllners Art, ungeschminkt und dabei stets stilvoll sein Leben, sein Wirken in die Welt zu stellen, und das vor allem aus künstlerisch-philosophischer Sicht: die Musik, die Konzerte, das Leben des Soulsängers aus Ostberlin, die Anekdoten – sie gehören zusammen, sie schaffen die Klänge, die Songs, die Refrains, die Auftritte, das Gefühl auf der Bühne, das Gefühl im Saal, die Aura um den Künstler. Alles zusammen geschieht für das Publikum. Zöllner will nicht, dass das alles verschwindet. Es ergeht ihm wie seinen Kollegen. Einerseits Leere, andererseits kämpfen wollen, müssen. „Ohne uns wird es still“, heißt der Slogan einer deutschlandweiten Künstleraktion gegen das scheinbare Vergessen der Kultur und Kunst in den Plänen der Macher in diesem Land. So bleibt gerade und nicht freiwillig: Das Konzert erklingt trotzig via Internet in die Wohnstube, die Musik via Streaming-Dienst in den Gehörgängen. Die Ausstellung wird virtuell angeboten, die Tanzeinlage ebenso per Videoclip. Das Theaterstück, der Auftritt der Streicher, der Jazzer – alles ohne Publikum.

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