Honduras: Sonderzone gibt privaten Investoren Hoheitsrechte – indigene Bevölkerung wird enteignet

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11-01-21 08:44:00,

9 Jan. 2021 21:42 Uhr

In Honduras entsteht eine der weltweit ersten Sonderzonen, in denen Privatunternehmen Rechtshoheit und Gewaltmonopol haben. Die ansässige indigene Bevölkerung schlägt Alarm, ihr droht die Vertreibung. Auch deutsche Unternehmen beteiligen sich an der lukrativen Landnahme.

Auf der honduranischen Karibikinsel Roatán entsteht eine der weltweit ersten Sonderzonen für Beschäftigung und ökonomische Entwicklung (ZEDE, “Zonas de empleo y desarrollo económico”). In diesen Sonderzonen haben Privatunternehmen die Rechtshoheit und das Gewaltmonopol. Sie sind laut dem honduranischen Gesetz autonome, von Investoren verwaltete Enklaven. Bei dem Pilotprojekt namens Próspera auf Roatán hat die lokale indigene Bevölkerung kein Mitspracherecht – ihre Enteignung ist in der Planung schon vorgesehen.

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Die Einrichtung einer ZEDE wurde von der indigenen Bevölkerung in Honduras schon einige Jahre lang befürchtet. Zunächst war der Ort Amapala an der Pazifikküste im Gespräch. Seit dem Sommer 2020 laufen die Bauarbeiten auf der Insel Roatán unweit der Gemeinde Crawfish Rock, einem Fischerdorf mit etwa 1.000 Einwohnern.

Zunächst hielten die Einwohner von Crawfish Rocks das Bauprojekt für einen weiteren touristischen Komplex – auf der Karibikinsel Roatán nichts Ungewöhnliches. Mit der Zeit mehrten sich die Informationen, dass mit Próspera die erste Sonderzone in Honduras eingerichtet werde. Das Projekt wurde von der honduranischen Regierung genehmigt – ohne Absprache mit den lokalen Behörden und den Bewohnern der Insel.

Luisa Connor, Gemeinderatsvorsitzende von Crawfish Rock, berichtet in einem Artikel der Zeitschrift Lateinamerika Nachrichten (Januar-Ausgabe 2021), der vom Nachrichtenportal Amerika21 online veröffentlicht wurde:

“Sie haben uns zu keinem Zeitpunkt bezüglich der ZEDE Próspera konsultiert. Sie sprachen nur von einem Tourismuskomplex mit dem Namen ‘North Bay’.”

Die honduranische Zentralregierung habe sich seit Jahren nicht mehr für die Gemeinden der Insel interessiert, nun aber droht den Einwohnern die Vertreibung von ihrem angestammten Land.

“Wir leben hier völlig vergessen von der Zentralregierung, aber es geht uns gut, und wir sind zufrieden. Wir verlangen nichts von der Regierung, aber wir sind auch nicht damit einverstanden, dass man uns das Wenige wegnehmen will, das wir haben.”

Die Sonderzone Próspera

Als Sonderzone für Entwicklung und Beschäftigung (ZEDE) ist Próspera ein neues politisch-ökonomisches Konstrukt. Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Schaffung der Sonderzonen wurden im September 2013 vom honduranischen Parlament beschlossen.

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