Ganz mieses Klima

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13-01-21 12:16:00,

Neulich erzählte mir ein Arbeitskollege, dass er nach Berlin müsse. Nun überlege er wie. Früher wäre er mit der Bahn gefahren, das sei von Frankfurt aus ja gar kein Problem. Doch die vier Stunden Fahrt dauerten ihm heute, im maskierten Alltag, einfach zu lange. Zumal diese vier Stunden ja ein Optimum darstellen, einen rein theoretischen Wert. Wann sei die Bahn denn schon mal pünktlich? Und was, wenn die Klimaanlage nicht geht oder die Heizung bollert? Einmal sei er in einem total überhitzten Zug gefahren, nicht mal der Zugbegleiter konnte das herunterregulieren.

Nun überlege er zu fliegen. Inlandsflüge habe er stets abgelehnt. Aber die Aussicht, nur kurz mit Maske im Innenraum eines Reisemittels zu sitzen, locke ihn doch. Vielleicht leihe er sich aber auch ein Auto. Eigentlich wollte er sich bei der Anreise entspannen. Aber im Auto befände er sich quasi im eigenen Kosmos, ungestört und frei. Das klang wie eine Automobilwerbung — und was die Fahrgastzelle betrifft gilt: Nie waren diese Attribute so zutreffend wie heute. Dennoch warnte ich ihn, denn ich habe zuletzt die Erfahrung gemacht, dass die Autobahnen voll waren wie nie. Dies sei aber freilich nur mein subjektiver Eindruck.

Das Gefühl trog mich nicht. Einige Tage später präsentierte die Firma Teralytics eine Auswertung anonymisierter Mobilfunkdaten. Und siehe da: Es wird mehr mit dem Auto gefahren. In der ersten Welle brach die Mobilität komplett ein. Aber im Augenblick bewegten sich die Menschen viel. Ja, sie reisen wie eh und je. Wobei reisen nicht meint, in den Urlaub zu fahren, sondern: Pendeln, sich von A nach B zu bewegen. Die Bahn scheint hingegen kaum eine Alternative zu sein. Und mit dem Flugzeug zu reisen noch weniger.

Interessant ist dabei, dass die Zahl der Bewegungen augenblicklich auf dem Vorjahresniveau liegt. Der Individualverkehr kompensiert also das Massenverkehrsmittel. Zwar meldet der ADAC einen Rückgang der Staumeldungen um etwa drei Prozent — 58.442 statt 60.057 im Vorjahr —, merkt aber an, dass sich darin auch das verstärkte Homeoffice niederschlägt. Letztlich zeigt auch die Erhebung des Automobilklubs, dass sich im Vergleich zum letzten Jahr nur unwesentlich etwas verändert hat.

Unter Umständen muss man sogar davon ausgehen, dass bei einer Normalisierung des Alltags, die Aufhebung des Homeoffice zum Beispiel oder der Quarantänevorkehrungen, die Straßen noch voller werden als zuvor.

Denn wenn uns diese Pandemie eine Sache Tag für Tag lehrt,

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