Der Gott der Verrohung

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14-01-21 11:16:00,

Wie Suchmaschinen unser soziales Denken und Verhalten verändern – zum Wohle von Konzernen

SEO heißt der Gott unserer Zeit. Ihm huldigen wir; nach seinen heiligen Regeln schreiben wir Texte und designen Webseiten. Wieso eigentlich? Und: Was macht Search Engine Optimization, so die vollständige Bezeichnung, mit den Texten, der Wissensproduktion und unserem Wissen, wenn nur über das geschrieben wird, nach dem zuvor schon gesucht wurde? Ein Selbstversuch als SEO-Texterin.

Nicht beugen! Seit Stunden brüte ich über einer unlösbaren Aufgabe: Wie schafft man es, das Keyword “Frühblüher Grundschule” satte 14 Mal in einen grammatikalisch korrekten Satz einzubauen, ohne es in irgendeiner Form zu verändern? Das Keyword ist heilig. Die Keyworddichte (ein Prozent des Textes) auch. Ausgedacht hat sie sich mein Auftraggeber, ein deutschlandweit bekannter und erfolgreicher Dienstleister, der (Online-)Texte von Textern und Bloggern produzieren lässt und sie dann über diverse Plattformen verschiedener Firmen verbreitet.

Bei meinem speziellen Engagement und Auftrag geht es nun ums “wissenschaftliche Texten”. Den Blog-Post versuche ich seit Stunden nach der unendlich langen Liste an akribisch formulierten Anforderungen zu schreiben. Er soll Eltern anlocken, die interessiert sind an einer frühpädagogischen, naturwissenschaftlichen Online-Ausbildung ihrer Kinder.

Das Keyword ist heilig!

Ich schaue resigniert zum hundertsten Mal ins Briefing und lese: “Hierbei ist besonders wichtig, dass Du das Keyword nicht beugst, deklinierst und auch nicht in der Reihenfolge abänderst.” Ich soll also einen Text verfassen für gebildete Eltern, die sich eine wissenschaftliche Bildung ihrer Kinder wünschen und dafür über einen Text angelockt werden sollen, der schief und nicht grammatikalisch korrekt klingt. Dieses Detail scheint dem Auftraggeber und wohl auch den klickenden Eltern egal zu sein, denn der Erfolg dieser SEO-Strategie hat sich bewährt.

Nun gut. Nicht das Keyword, sondern ich muss mich beugen. Ich schreibe also Sätze wie den Folgenden: “Durch die Schneeschmelze wird der Boden weich und die Blumen erwachen so aus ihrer Winterruhe. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Frühblüher Grundschule von Deinem Kind beobachtet und erforscht werden können.”

Blog-Deutsch: Die schleichende Sprachverrohung

Nach zwei Stunden Schreiben habe ich selbst schon das Gefühl, “Frühblüher Grundschule” wäre ein feststehender Begriff, wobei ich damit nicht früh blühende Pflanzen assoziiere, sondern sehr schlaue Grundschulkinder. Ich nehme einen großen Schluck Kaffee, um meine eigene Sprachwahrnehmung wieder zurechtzurücken und frage mich: Wieso das alles?

Des Rätsels Lösung lässt sich auf eine Grundüberzeugung der Suchmaschinenoptimierung zurückführen: Was gesucht wurde,

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