Die Dressur des Menschen

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14-01-21 11:34:00,

Mein Hund Bobby war ein stattlicher Bernhardiner-Berner-Sennen-Mischling. Riesengroß, schlank und mit einem herrlich weichen Fell, gezeichnet wie die Berner Sennen, aber mit der schlanken Statur eines Bernhardiners.

Immer wieder wurde ich auf meinen Gassi-Gängen mit Bobby angesprochen, wie gut mein Bursche ausschaut! Und er sah nicht nur gut aus: Er war auch von edelstem Gemüt, nämlich ein sanftmütiger Riese.

Doch als ich ihn bekam, er war knapp ein halbes Jahr alt, bemerkte ich als erstes, dass er eine grausame Kindheit voller Entbehrungen erlitten hatte.

Bei Bobby und mir war es diese berühmte Liebe auf den ersten Blick. Ich selbst wollte zu diesem Zeitpunkt gar keinen Hund, es war mein damaliger Freund, der unbedingt diesen Hund haben wollte. Aber das Leben hat seine eigenen Pläne. Bobby kam, sah und siegte. Im Bruchteil einer Sekunde, als er mir glücklich lachend in die Arme sprang, war es um ihn und um mich geschehen und wir waren knapp zwölf Jahre lang unzertrennlich. Ein Herz und eine Seele.

Doch gleich die ersten Tage spürte ich, dass etwas mit Bobby nicht stimmte. Der Morgen, als ich in der Küche stand, Bobby lag wie immer zu meinen Füßen und verfolgte aufmerksam, dass ich mich ja nicht in Luft auflöste, griff ich zum Besen, um die Küche zu fegen. Ich hatte mir überhaupt nichts bei diesem Griff zum Besen gedacht und war mit dem Besen auch gar nicht in die Nähe von Bobby gekommen, aber seine Reaktion sagte mehr als tausend Worte: Bobby jaulte auf wie in Todesqualen, ein Schrei, der mir durch Mark und Bein ging. Gleichzeitig machte er einen Satz rückwärts und pinkelte sich schon in der Sekunde ein.

Ich hatte Tränen in den Augen, denn da war mir klar, dieses süße Hundejunge war mit einem Besen verprügelt worden. Stubenrein war Bobby, dass hatte sich schon gezeigt. Doch diese Reaktion auf den Besen, der nicht einmal in seine Nähe gekommen war, sprach Bände! Da lag er völlig plattgedrückt am Boden, in seiner eigenen Pfütze und zitterte am ganzen Körper!

Die folgenden zwölf Jahre galt es, mit immerwährender Geduld und noch viel mehr Liebe wieder gut zu machen, was an diesem unschuldigen Hundebaby zerstört worden war.

Denn es kristallisierten sich noch mehr „Macken“ bei diesem wunderbaren Koloss heraus. Beim morgendlichen Gassi-Gehen im Dunkeln scheute Bobby extrem vor den Schatten,

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